Wir sind hier in Deutschland

Nein, um die WM geht’s nicht, sonst hätte ich das neue Kürzel “Schlaaand” verwendet (TLD .schlaaaaa).  Auch zu Westerwelle muss man eigentlich nichts mehr schreiben.  Worum geht’s dann?  Steve Jobs erlaubt uns Jüngern jetzt auch Bücher auf die iPhones, iPods und iPads zu laden mit der neuen iBooks iApp -äh- Applikation.

So weit, so gut.  Das Apple nicht lange andere Leute in ihrem Revier Geld verdienen lässt war klar, und die Einführung einer von Jobs selber gesegneten eBook-Applikation war absehbar. Auch die Applikation selber ist (wie nicht anders erwartet) schön, leicht zu bedienen, sieht gut aus, etc.  Nur warum sie jetzt wieder die Zielmärkte abgrenzen müssen ist mir schleierhaft.

Eine kurze Stichprobe beim SciFi-Autor John Scalzi ergab: 10 Bücher von ihm im Store, 9 auf deutsch, davon nur eins auch auf englisch, nämlich der zweite Band einer Reihe.  Den ersten kriegt man nur auf deutsch.  Deutsche Bücher 7.99EUR, englische 8,99EUR.  Warum? Das gleiche Buch kostet auf Amazon (wohlgemerkt amazon.de) 5,99 bzw. 8,95, hier ist aber das deutsche das teurere… “Lizenzrechtliche Gründe” heisst dann die Argumentationskeule.

Wenn ein Markt wirklich abgeriegelt ist, wie bei Regioncoding für DVDs oder Konsolenspiele, bzw. wenn es keine offiziellen Wege gibt, diese Märkte zu vermischen kann ich’s auch schon nicht verstehen aber wenigstens nachvollziehen.  Aber bei Büchern?  Vor 15 Jahren musste ich mir meine englischen Pratchetts noch im Comicladen holen, weil selbst Bock & Seipp nur auf teure Vorbestellungen liefern konnte, aber mittlerweile ist gerade im Science Fiction & Fantasy Bereich doch jeder deutsche Buchladen mit seinem Markt gewachsen und bietet entsprechende Literatur am Erscheinungstag zu fairen (und meist eher billigeren) Preisen Regalweise an; von Amazon will man gar nicht anfangen. Muss das jetzt bei iBook wieder ganz von vorne losgehen?  Globalisierung?  Freie Märkte?  Irgendwie schafft meine Apple-Gehirnwäsche gerade nicht, das auch noch mit “aber dafür ist’s ein iPhone” wieder gut zu reden…

Lösung gibt’s natürlich, wenn auch eher in einer legalen Grauzone:  Man kann sich einen amerikanischen iTunes-Account mit fiktiver Adresse (oder einer Adresse von Bekannten dort) machen und sich dann amerikanische iTunes-Geschenkkarten bei eBay oder von Bekannten kaufen lassen und einlösen.  Abgesehen von den legalen Gesichtspunkten ist mir das dann aber zu viel Stress um für 3 EUR mehr ein Buch im Handy zu lesen, dass ich mir auch einfach als reales Taschenbuch aus toten Bäumen kaufen kann.

Wir sind hier in Deutschland.  Leider noch nicht in der Zukunft.

Posted from Saarbrücken, Saar, Germany.

Erstellt am Mittwoch 23. Juni 2010
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