Boston Beans, das Segeln und die Kunst
Um den touristischen, zweiten Teil der Reise auch richtig touristisch abzuschliessen, wurde Boston ausschliesslich touristisch erkundet — für alles andere bin ich auch langsam zu kaputt; 3 Wochen Urlaub strengen mehr an als ich dachte.
…in Boston even Beans do it.
Also zählt hier die Bequemlichkeit. Mietauto im Hotel vom Valetservive parken lassen während man mir die Koffer auf’s Zimmer gebracht hat. Kurze Dusche, Auto zurückbringen zum Flughafen, 7-Tages-Ticket für die Bahn gekauft (billiger als zwei 1-Tages-Tickets und danach einfach kein Stress mehr) und ab zu den Trolley-Tours. Da ich echt keinen Bock mehr auf Rumgehen hatte, hab’ ich mich mit einem älteren spanischen Ehepaar, einer amerikanischen Familie und 2 Japanern in einem roten, offenen kleinen Bus durch die Stadt karren lassen während vorne einer mit Mikro erzählt hat, was wir da so alles sehen. Er erwähnte sogar, dass die “Boston Beans” daher kommen, dass die frühen Puritaner Sonntags nicht arbeiten und somit auch nicht kochen durften und es deshalb Samstags immer große Portionen Baked Beans gab, die man dann Sonntag kalt essen konnte. Mahlzeit.
Die Tour war ganz witzig, und den Freedom Trail Walk hab’ ich mir danach auch gespart, da 5km in der Sonne durch die Stadt laufen irgendwie nicht mehr so attraktiv klangen wie im Reiseführer. Stattdessen mit der U-Bahn ein paar Punkte in der Stadt angekuckt und früh ins Bett.
Der zweite Tag Boston begann mit dem Science Museum (wobei ich das in Chicago deutlich besser fand, aber da das hier in einem Kombipass mit drin war und 100m von meinem Hotel weg ist…). Dort zum ersten Mal seit ungefähr 25 Jahren einen Film in einem Omnimax gesehen (das letzte Mal war in Den Haag als mein Onkel und meine Tante da noch wohnten). Irgendwie beeindruckender als 3D, finde ich.
Nach dem Science Museum dann ins New England Aquarium Pinguine, Haie, Robben, Quallen, und Horden von Schulkindern gesehen. Die Schulen scheinen heute alle Wandertag zu haben — im Museum waren ungefähr 200-300 Kinder aus der 5. Klasse (wie man ihren farbigen T-Shirts entnehmen konnte) und im Aquarium auch (sogar andere, oder die haben sich alle in der Zwischenzeit umgezogen). Das Aquarium war ganz nett, aber irgendwie setzt langsam eine Reizüberflutung ein
.
We are Sailing…
Nach dem Aquarium das eigentliche Highlight: Segeln in der Hafenbucht mit einem zwar erst 25 Jahre alten, aber nach Plänen traditioneller Schoner gebauten Zweimaster. Die Gruppe war klein, das Schiff toll und die zwei Stunden auf See sein waren es auf jeden Fall wert. Auf den Bildern die Skyline Bostons von weit, mittel und nah — samt Teilen des Vordeck des Schiffes mit drauf.
Nach dem Schiff ging’s zum Kunstmuseum, das blöderweise heute freien Eintritt hatte — blöderweise, da es nicht im Netz stand (wo ich extra gekuckt hatte, weil die Chicagoer Museen fast alle einen freien Tag oder Abend haben) und der Kombipass mit Science Museum und Aquarium eigentlich nur den Zweck hatte, billiger ins Museum of Fine Arts zu kommen, das dann mein Ticket gar nicht wollte… Verschenke ich’s halt morgen nebst noch 5 Tage gültiger ÖPNV-Karte an irgendwen am Flughafen.
Bilder einer Ausstellung
Das Museum of Fine Arts fasste mit seinen Sammlungen thematisch gleich drei Museen in Chicago zusammen, die ich dort gesehen hatte: Natürlich das Chicago Arts Institute, aber auch das dortige Museum für Moderne Kunst und die Sammlung des Oriental Institutes an der Chicagoer Uni. Hier in Boston gab es neben Bildern (hauptsächlich europäische und asiatische, aber auch modernes aus Amerika) auch viele Skulpturen (römisch, griechisch, ägyptisch, italienische Renaissance) und eine sehr interesannte Wechselausstellung über ein ägyptisches Grab. Während sonst oft Säleweise ägyptische Statuen stehen (nicht nur deswegen sehr zu empfehlen ist das Neue Museum in Berlin, in dem ein großer Saal dieser Statuen sehr schön didaktisch aufbereitet präsentiert wird), ist hier alles aus einer einzigen Ausgrabung dargestllt samt Bildern und Geschichte der Ausgrabung (1915) selbst und Rekonstruktionen der Dinge, die wegen Grabräubern eben nicht mehr dort waren.
Für Mesopotamien lohnt sich nach wie vor Berlin — im Pergamommuseum ist ein komplettes Markttor und die zugehörige Passage mit goldenen Löwen auf türkisenem Grund ausgestellt und von diesen Löwen habe ich jetzt auch je 2 in Boston und Chicago gesehen, aber eben nur 2 (immerhin ca 2×1m grosse Reliefkacheln) und nicht ca. 100 wie in Berlin. Die überlebensgroße ägyptische Königsstatue aus dem Oriental Insitute in Chicago war aber beeindruckender als alles andere Ägyptische in den anderen Städten. Dort ist auch die Sammlung sumerischer Keilschrift, die die Entwicklung der ersten Schriftzeichen bis zu den Ägyptern zeigt hervorzuheben. Ob Boston wirklich weniger beeindruckend war oder ich einfach weniger aufnahmefähig weiss ich nicht, aber vom Gefühl her ist beides zutreffend. Riesig ist das Museum hier trotzdem, aber Chicago war halt noch riesiger. Fairerweise muss man dazusagen, dass Boston gerade einen Anbau bekommen hat, der im November öffnet, in dem sie dann Amerikanische Kunst ausstellen werden, wobei zwei der wenigen Sachen, die ich von amerikanischer Kunst kenne (Hoppers Nighthawks und Grants American Gothic) neben dem omnipräsenten Warhol schon in Chicago hängen.
Mit Berlin, Chicago und Boston habe ich jetzt glaube ich erstmal eine Zeit genug von Museen und merke auch, dass man das mag, was man kennt: Ich bleibe am längsten stehen bei den Werken der europäischen Künstler, die in meinem Elternhaus (als Drucke) hängen, und deren Stil ich deswegen erkenne, so habe ich jetzt unzählige Gemäde Monets, Picassos, Gaugins und Matisses im Original gesehen, Drucke von Dürer, Statuen von Rodin, sogar Statuen von Matisse und Holzschnitzereien von Gaugin, die ich beide vorher nur als Maler kannte.
Die mehr als 100 Bilder, die ich in den diversen Museen gemacht habe darf ich aus Copyrightgründen hier sehr wahrscheinlich sowieso nicht “ausstellen”, deshalb mache ich mir auch nicht die Mühe und suche drei raus — Kunst wirkt sowieso nur in Originalgröße.
Posted from Cambridge, Massachusetts, United States.
Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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