Doodle – Terminabsprache neu erfunden

Hier also der zweite Artikel in der Reihe der Webdienste, die ich nutze. Diesmal geht’s um Terminabsprachen 2.0, durchgeführt durch Doodle.

Wann doodle genau begann, kann ich nicht mehr finden, auch die genaue Entstehungsgeschichte weiss ich nur noch in Fragmenten. Auf jeden Fall wurde es 2007 dann als Firma gegründet und war ursprünglich ein In-House-Tool mit dem auf einer Konferenz Workshopslots verteilt wurden. Das Googlen danach ist auch begrenzt sinnvoll, da “Doodle” auf Englisch auch eine Hunderasse und eine Kritzelei ist und mangels semantischem Web nicht leicht eingrenzbar.

Was ist Doodle?

Die Idee ist (wie bei fast allen erfolgreichen Webdiensten) so einfach, dass das Innovationspotenzial wieder schwer zu finden ist: Auf Doodle.com kann man zur Terminkoordination eine Menge von Zeiten vorgeben, daraus wird ein Link gemacht, den man dann den Leuten, mit denen man sich treffen will mailt (oder Doodle mailen lässt) und die können dort anklicken, ob sie können oder nicht.

Am Anfang war’s auch nicht mehr und damit trotzdem ein Riesenschritt nach vorne.

Vor Doodle hatte man gemailte ASCII-Art-Tabellen in die man ‘x’ oder ‘o’ schreibt oder sogar einfach nur mails mit “ich kann aber Sonntags nicht und Montag erst ab vier” und eine arme Sau, die sich das auf ein Blatt Papier malt und versucht einen Termin zu finden. Heute ist “Doodlen” bei mir so selbstverständlich geworden, dass ich sehr irritiert war, von einem Freund, der auch Informatiker ist zu hören, dass er Doodle gar nicht kannte.

Powerfeatures

Die Erweiterungen in den letzten Jahren waren klein, aber stetig und sinnvoll.  Das aufgeräumte Aussehen ist geblieben, mit ein paar Bezahlmodellen zum Werbung ausblenden oder auch zum “branden” (also graphischen umgestalten) der Seite für Firmenanwendung. Die Integration in andere Dienste und auch das Bereitstellen eines kostenlosen, personalisierten Dienstes hingegen macht es vor allem für Terminjunkies wie mich angenehm, trotz mehrfacher Doodles den Überblick nicht zu verlieren:  Gerade mit Google Calendar zusammen ist das Tool sehr nützlich, da ich alle meine anderen Termine sehe, während ich Polls erstelle oder ausfülle und auch meine getroffenen Aussagen werden zurück in den Kalender übertragen und ich sehe, zu welchen Terminen ich wo anders schon “grün” markiert hatte.

Der Wermutstropfen?

Damit der Artikel hier nicht ganz so Werbelastig wird, wie die Ode an Dropbox hier die nervigen Dinge, die es bei Doodle leider gibt:

Es ist nicht möglich, beim Schließen eines Polls mehr als eine Auswahl als Ergebnis zu haben, aber nur durch Schließen werden die nicht gewählten Termine bei Google Calendar gelöscht. Da ich Doodle häufig zum Planen von Serien-DVD-Abenden nutze und aus den Terminen von  2 Monaten dann gerne die 4 nehmen würde, die am besten passen ist das hinderlich. Entweder man schliesst den Poll mit dem ersten Termin und muss sich ausserhalb des Tools die anderen Termine, die bei allen “grün” waren nochmal in den Kalender übertragen oder man sieht die ganzen Eintragungen für Termine, die letztendlich gar nicht genommen wurden noch ewig in Google integriert.  Meine Lösung ist inzwischen, nach Ende des Polls hinzugehen und meine Zeile so zu ändern, dass ich nur noch für die gewáhlten Termine “grün” bin, aber das ist ja auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Das zweite, was stört, ist, dass die iPhone-App 2.99€ kostet und in der aktuellen Version noch nicht einmal den eingebauten Kalender integriert (ja, ja, Steve Jobs lässt sie nicht, aber dann nimmt man nicht 3€ für eine App zu einem freien Webservice, die noch nicht mal von Doodle selbst herausgegeben wurde). In dem Zusammenhang stört es dann besonders, dass Doodle vom iPhone aufgerufen immer erst versucht, seine App an den Mann zu bekommen (“Wollen Sie nicht lieber die App kaufen, als jetzt auf die Seite zu kommen?”), die mobile Seite dann auch noch keinen guten Überblick bietet und sehr auf “nur der beste Termin gewinnt” fokussiert (man sieht keine Tabelle wie auf der Desktopversion sondern einzelne Blöcke mit den bestpassendsten Terminen). Die Desktopseite scheitert mit den Javascriptwidgets dann an der Touchbedienung und lässt sich nur bei bis zu 8-10 Terminauswahlmöglichkeiten sinnvoll nutzen.

Das sind aber alles Luxusprobleme und die werden sicher auch angegangen werden.  Nichts davon nervt so sehr, dass es mich vom Doodlebenutzen ganz abhalten würde – dazu ist der Weg zurück zum Terminlisten hin und her mailen einfach zu steinig.

Erstellt am Montag 29. November 2010
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Axel und Christoph bloggen zu tools – ich zur cloud

Zwei Freunde von mir haben gerade auf ihren Blogs Reihen laufen, in denen Sie nützliche, aber unbekannte Unixtools vorstellen. Auch wenn ich vieles davon nie brauchen werde, ist alleine das Wissen um du -h | sort -h zum Sortieren nach SI-Einheiten etwas, was mir schon einige Male genutzt hätte. Ihr findet das Blog von Axel unter Blogging is futile und das von Christoph unter Myon’s Blog.

Dadurch angeregt und in Fortsetzung meines letzten Artikels zu Dropbox gibt’s dann von mir in der nächsten Zeit ein paar Artikel zu Clouddiensten im weitesten Sinne, die ich regelmäßig nutze. Ich war bis jetzt immer der Meinung, dass die eh’ jeder kennt, aber als ich heute von einem Informatiker ein “Doodle” gefällt mir, kannte ich noch nicht. bekam, sehe ich den Bedarf für ein wenig Aufklärung :-) .

Vielleicht schaffe ich auch mit ein weniger Fanboy-Einstellung heranzugehen als ich das bei meinem Dropbox-Artikel tat, aber die meisten Clouddienste haben auch gerade durch den “Boah, wie geil, warum gab’s das nicht schon immer”-Faktor soviel an Bekanntheit erlangt.

Erstellt am Montag 29. November 2010
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DropBox – NAS neu erfunden

Es zeichnet eine Idee aus, wenn man sie in wenigen Sätzen erklärt hat und danach erstmal denkt “und was ist jetzt die Innovation daran?”.  Innovativ war an Dropbox nur, das es konsequent umgesetzt wurde und damit zufällig so einen Nerv getroffen hat. Dadurch ist es (trotz anderer Dienste, die es gibt und die in eine ähnliche Richtung gehen) zum Quasi-Standard der Datenhaltung im Netz avanciert.

Wer’s ausprobieren will kann das sehr gerne über diesen Link tun, dann haben wir beide was davon, nämlich 256MB mehr Kapazität.

Was ist Dropbox?  Kurz gesagt Network Attached Storage, eine Art “Festplatte” im Netz.  Solche Dienste gibt es und gab es viele, Dropbox besticht durch die Einfachheit.  Jeder kriegt kostenlos 2GB Platz und unlimited Traffic (Bezahlvarianten für 50, bzw. 100GB existieren). Darin kann man Ordner erstellen und Dateien ablegen. Versionierung für die letzten 30 Tage ist inbegriffen.  Man kann Folder mit Freunden oder der Welt sharen. Die Daten werden in der Amazon Cloud gehostet was für deren (Ausfall-)Sicherheit spricht.  Die Sicherheit vor unerlaubtem Zugriff muss man den Betreibern glauben — bei den Petabytes, die sie rumschieben, ohne das der kleinste Skandal irgendwo zu lesen ist, scheint es da aber keine Bedenken zu geben.

Der Produktivitätsgewinn stellt sich durch die Synchronisation ein.  Für alle großen Plattformen gibt es sehr angenehm gestaltete Hintergrundprogramme, die lokale Kopien der Verzeichnisse anlegen und mit der Kopie in der Cloud abgleichen.  Dadurch, dass die lokalen Verzeichnisse bis auf ein paar unsichtbare Steuerdateien für alle Belange des Systems normale Verzeichnisse sind ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten, Rechner untereinander abzugleichen.  Man kann auf Windows z.B. ein Dropboxverzeichnis als “Eigene Dateien” eintragen, kann seine Firefoxbookmarks in die Dropbox legen, und vieles mehr. Unter linux mit Symlinks die Konfiguration von Programmen aus den Dropboxverzeichnissen ziehen und so zwischen Rechnern abgleichen, ohne per Crontab extra irgendwelche svn/cvs/git/hg/whatever-Dienste anstossen zu müssen ist ein Anwendungsfall, den ich sehr schätze.

Durch die Integration von mobilen Clients (iPhone, Android, Blackberry) ist es auch möglich, unterwegs auf alles zuzugreifen. Unter iPhone (und bestimmt auch für die anderen Plattformen) gibt es bei fast allen Dokumententools die Möglichkeit, direkt auf der Dropbox oder per API mit dem installierten Dropbox-Client zu interagieren.  Photos, Videos, Audio unterwegs dabeihaben, Worddokumente on-the-go editieren und weitergeben, Notizen überall synchronisiert haben — alles ist über den Dienst abgebildet.

Faszinierend ist, dass es die Einzelteile eigentlich immer schon gab, aber selbst bei mir als Bastler doch die eine, große Lösung fehlte, die zuverlässig all meine Shells miteinander abgleicht und mir vieles, was ich notgedrungen als Mails oder sogar in Zetteln mit mir rumtrage auch zuverlässig da verfügbar macht, wo ich gerade bin.  Dropbox tut das, muckt nicht, kostet nix und funktioniert einfach.  Qualitäten, die bei solchen Diensten nicht zu unterschätzen sind.

Die Verzeichnisse sind auch kollaborativ nutzbar, entweder einzeln an konkrete Mitglieder zum Zusammenarbeiten (so habe ich Zugriff auf den Orgafolder einer Hochzeit bei der ich im nächsten Jahr Trauzeuge bin) oder auch als USB-Stick-Ersatz (Konzertaufnahmen als MP3s mal gerade an den ganzen Chor verteilt ohne extra irgendwo Webspace aufsetzen zu müssen).  Auch ganz öffentliche Verzeichnisse, die ohne Anmeldung sichtbar sind werden unterstützt — Anleitungen, wie man darauf eine verteilt gepflegte Webseite aufbaut gibt es auch…

Ich habe durch Dropbox auf all meinen Rechnern einen Ordner, der auf all diesen Rechnern immer gleich aussieht, ohne, dass ich mich darum kümmere.  Ich kann ihn auch unterwegs von meinem iPhone aus einsehen und editieren. Wenn mir jemand dann eine Mail mit einem Dropbox-Link schickt um mir Daten zukommen zu lassen oder mit mir an etwas zu arbeiten klicke ich einmal drauf und diese Daten sind auf all meinen Rechnern verfügbar. Klingt einfach, ist aber toll.

Alles in Allem bin ich begeistert (merkt man kaum) und empfehle den Dienst jedem, der gleichzeitig an verschiedenen Rechnern arbeitet, der vom Smartphone aus Zugriff auf seine Daten möchte oder der oft zwischen Freunden oder Kollegen größere Datenmengen austauscht. Wenn Ihr’s probieren wollt und statt 2GB sogar 2,2GB wollt, geht über diesen Link, dann haben wir beide was davon :-) .

Links auf die vielen Seiten die (meist auf englisch) detailliert beschreiben, wie man jetzt die Savegames von Computerspielen unter Windows 7 austauscht, wie die Bookmarks von Firefox per Dropbox über Rechnergrenzen hinweg synchron gehalten werden können oder wie man ein Truecrypt-Volume in den Folder tut (wo auch immer dabei das Problem ist), gibt’s bewusst keine — die ändern sich sowieso täglich und ein kurzes Googlen hilft weiter.  Ich finde es ausserdem spannender, die “25 innovative uses for Dropbox” selber zu finden und nicht irgendwo nachzulesen.

Erstellt am Freitag 12. November 2010
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984 Füsse hoch, 4 Füsse unbekannter Größe

Ich spreche natürlich vom Eiffelturm.

Beim Abendessen mit ein paar Leuten unseres Chores kam die scheinbar harmlose Frage auf, wie breit denn ein Fuss des Eiffelturms sei.  Damit meinen wir wirklich die Breite eines der vier “Füße”, mit denen der Turm auf dem Boden steht (wohl wissend, dass diese weder wirklich quadratisch noch massiv sind.  (Zur Illustration das Bild von Benh LIEU SONG aus der Wikipedia mit entsprechender Markierung). “Kein Problem” dachten sich die anwesenden Smartphonebesitzer, griffen zum iPhone und Android und googleten sich durch die allwissende Müllhalde.

Wikipedia: nix, Google direkt: nix, Google mit diversen Umformulierungen in englisch oder deutsch: nix. Hmm.

Gepackt vom Ergeiz, die eine Information gefunden zu haben, die sich nicht mit “ich schau mal grad im Netz” erreichen lässt wurden die Suchangaben und -methoden kreativer und die (nicht zum Problem passenden) Informationen die wir bekamen obskurer.  Ich weiss jetzt (und werde nie wieder vergessen), dass der Eiffelturm mit der Spitze nur 18cm schwankt und dass er, fertigte man ihn maßstabsgetreu in einem Fuss Höhe aus dem gleichen Material nur das Gewicht eines Nickels hätte.

All dies brachte uns nicht weiter.

Wolfram Alpha meinte in meiner Frage “size of the feet of the eiffel tower” erkennen zu können, dass ich die Höhe in Fuss bräuchte und antwortete 984.  Auch nicht die Zahl, die wir suchten. Ich habe die ersten 25 Seiten der Google Image Search “Eiffelturm” und “Eiffel Tower” durchgekuckt und kein Bild gefunden, dass genügend klar eine Person oder andere Struktur daneben zeigt, um wenigstens eine etwas besser gestützte Schätzung abgeben zu können als “schon gross”.  Die einzige Konstruktionszeichnung, die Google ausspuckt bemasst die Breite der Plattformen, den Winkel der Füsse von unten bis oben (50-80°) aber eben nicht die Breite der Füße selber.

Falls Sie übrigens zu Fuss den Eiffelturm hinaufgehen müssen sie sich über die Breite der Stufen keine Gedanken machen… [Diese Seite übersetzen][Im Cache]

Kreativ geworden und nun nur noch vom Widerstand des Netzes und gar nicht mehr von der eigentlichen Wissbegier getrieben griffen wir zu rabiateren Mitteln und haben mit einer Serviette, einem ca. 20cm großen Metallmodell aus einem Souvenirshop in Paris und einfachem Dreisatz eine Zahl ermittelt (die Höhe findet man ja schliesslich überall) und als Gegenprobe noch die Information über die Größe des gesamten Platzes ebenfalls per Dreisatzserviette auf’s Modell übertragen.  Im Nachhinein lagen wir gar nicht so schlecht (12% daneben um genau zu sein).

Die Rettung ergab die (peinlicherweise erst ganz am Schluss kommende) Idee, die anwesende Französischdolmetscherin mit einzubinden und auch die französischen Einträge zu durchforsten und auf der französischen Wikipedia sind wir dann fündig geworden.  Immer noch keine echte, klare Information, aber wenigstens ein Schaubild, das die Breite der Konstruktion auf dem Boden und den Abstand zwischen den zwei Füßen auf einer Seite darstellt. Wer es selber ohne diese Grafik probieren will findet deshalb hier auch nicht die Information sondern nur den Link zu selbigem Schaubild — interessanter fände ich einen Text, in dem die tatsächliche Breite erwähnt ist (um uns damit der kollektiven Google-Unfähigkeit zu überführen).

Wie ich das Wissen darüber, dass nur drei der vier Füße wirklich auf dem Boden stehen und der vierte drohte im Schlamm zu versinken und in einer spektakulären Rettungsaktion vom Seineufer aus mit Betonstäben unterfüttert wurde als er schon mehrere Meter eingesackt war, wieder loswerde weiss ich allerdings noch nicht.

Erstellt am Montag 11. Oktober 2010
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