beSchriftungen
Nachdem mich viele Amerikaner die ich über Thomas und Kathi treffe oder mit denen ich beim Busfahren ins Gespräch komme fragen, was denn so mein erster Eindruck ist habe ich mir Gedanken gemacht, was die Hauptunterschiede sind, die ich nach einer guten Woche Chicago feststelle. Ein großer Punkt ist auf jeden Fall die Gelassenheit (die wie man mir sagte in New York auch anders wäre aber hier auf jeden Fall vorherrscht). Im Supermarkt geht alles langsam. Die Leute an der Kasse gehen seelenruhig erstmal rüber in die Gemüseabteilung weil die Kundin irgendwelche Säfte 2 für 1 haben will, wovon die Kassierin nix wusste. Das wird dann in Ruhe mit dem Chef der Gemüseabteilung, dem Kunden der Nachbarschlange und eigentlich jedem der da rumsteht ausdiskutiert. Die, die vor mir oder auch hinter mir in der Schlange stehen sind davon nicht im geringsten irritiert, da ja eh jeder noch ein Stück fahren oder länger gehen muss (so meine Theorie). Auch in den Bussen und Bahnen ist’s eher ein “kommt irgendwann” und echte Fahrpläne gibt’s nur in den Nachtstunden, ansonsten steht auf dem Fahrplan sowas wie “alle 8-10 Minuten tagsüber”. Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass das Mehr an Platz auch dazu führt, dass durch die größeren Wegezeiten mehr Toleranz bei Wartezeiten in Geschäften und bei anderen Dienstleistern da ist.
Eine andere Sache, die mir auffiel ist, dass die Amerikaner wirklich alles Beschriften, mit dem “Caution! Contents may be hot” auf den Kaffeebechern als prominentestem Beispiel. Anders als ich dachte ist aber auch einfach vieles sehr sinnvoll beschriftet und Dinge, die in Deutschland beschriftet wären sind hier weggelassen. Beispielsweise steht in jedem Bus (oder wird durchgesagt), wie der Bus heisst, in dem man sich befindet und auch das Prozedere der Kartenbeschaffung an den Automaten ist um ein vielfaches professioneller und benutzerfreundlicher gestaltet als der typisch deutsche Fahrscheinautomat. Auf der anderen Seite habe ich noch an keinem einzigen Emergency Exit einen Warnhinweis gesehen, dass man das nur im Notfall benutzen soll — da trauen sie ihren Bürgern mehr zu als wir unseren. Überhaupt die Benutzerfreundlichkeit von Automaten, Telefonmenüs (die ich dank AT&T PayAsYouGo-Phone ja zahlreich nutzen durfte) ist herausragend. Auch Supermarkt und Restaurantkassen, die zu ganz grossen Teilen als Selbstbedienerterminals ausgelegt sind, um mit Credit/Debit/Sonstwas-Karte zu zahlen, selbst zu bestätigen/PIN einzugeben und auf dem Screen zu unterschreiben sind Dinge wo ich am Anfang gar nicht damit rechnete, das selbst machen zu dürfen und der irritiert schauenden Kassiererin meine Karte in die Hand drückte.
Das mit den Beschriftungen-nur-da-wo-man-sie-braucht geht
soweit, dass als ein durchgehendes Designelement hier alle Türen auf der “Drücken”-Seite eine horizontale und auf der “Ziehen”-Seite eine vertikale Stange haben. “Push” und “Pull”-Beschriftungen gibt’s nur in sehr touristischen Gebäuden; die ganze Uni und auch große Teile der Innenstadt sind nur durch die Richtung des Griffes logisch gekennzeichnet (siehe Bild aus dem Arts Institute of Chicago, dem ein eigene Beitrag gewidmet werden wird).
Eine Sache zum Thema Beschriftungen noch zum Schluß: Es ist eine Wohltat, hier Schilder zu kucken. Die ganze CTA (einer der beiden ÖPNV-Konzerne hier) verwendet Helvetica für die Stationen und auch an Geschäften und Schildern sieht man sehr viel Helvetica und Futura und erfreulich wenig Times und Arial. Das stand erstaunlicherweise gar nicht im Reiseführer, auch wenn ich meine Gastgeber bei den ersten Touren durch die Innenstadt erfreut und laufend darauf hinwies
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Posted from Chicago, Illinois, United States.
Erstellt am Samstag 29. Mai 2010
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