Dominionbox – D.I.Y.
Das Spiel
Dominion hat mich vom ersten Spiel an überzeugt. Sobald man sich von dem “ich will zwei Stunden lang diskutieren, welche Karten toll sind” gelöst hat und nur noch Karten blind zieht macht es süchtig und gerade das ständige Neuentwickeln der Strategien je nach vorhandenem Set macht auch jedes neue Spiel spannend. Wer Dominion noch nicht kennt sollte sich entweder direkt eins der Basissets (Was für eine Welt oder Die Intrige) kaufen und mit ein paar Freunden loslegen oder auf http://www.brettspielwelt.de/ gegen andere Online spielen.
Die Packungsmisere
Das einzige Problem bei Dominion, gerade wenn man mehrere (oder alle) Erweiterungen hat ist das Handling des Spielaufbaus. Für das Basisset war die Verpackung sehr gelungen — Geld und Punktekarten raus, alle Königsreichkarten waren sortiert und wenn einem das nicht passte konnte man die Legende in der Mitte ja austauschen. Aber was, wenn man mehrere Erweiterungen hat? Nirgends ist mehr Platz für den Riesenstapel blauer Karten, aus denen man sein Zufallsdeck ziehen will. Und wo überhaupt die Königreichkarten hin? Sortiert in den Erweiterungen lassen und beim Raussuchen immer erst unten das Symbol vergleichen oder alle mit Kosten 2 und 3 in die Basisbox, mit 3 und 4 in die Intrige usw.? Alphabetisch durch und vom Abenteuer bis Bürokrat in die erste Box usw.? Alles nicht zufriedenstellend nicht zuletzt kaum transportabel (im Vollausbau hat man 4 grosse und 2 kleinere Schachteln die gerade so in eine blaue IKEA-Tüte oder eine gelbe Metroklappkiste passen — aber tragt das mal zum Bus…).
Die Lösung
Meine Technik, alle Erweiterungen in eine Box des Basissets zu packen habe ich in den folgenden Absätzen beschrieben – Links zu Herstellern etc. dann am Ende des Artikels.
Die Kartenhüllen
Eine Lösung musste her und beim Blättern durch die Dominion-Foren hatte jemand die Idee, alte Magic-The-Gathering™-Schutzhüllen zu verwenden, um je einen Satz Königreichkarten in eine Hülle zu stecken. Da Magic-Karten breiter aber gleich hoch waren passen bequem 10-15 und mit Drücken bis zu 20 Dominionkarten in einen MtG Card Protector. Magic-Hüllen hatte ich noch und hab’ angefangen rumzuprobieren. Nach kurzer Überlegung hab’ ich mir (für je ein paar Euro pro 50er-Pack) Hüllen in verschiedenen Farben gekauft und die Dominionsätze auch noch nach Kartentyp unterschieden (Geldkarten in Orange, Angriffe in Weiss, Reaktion in Blau, Punkte in Grün, etc.).
Jetzt hatte ich also mehr als hundert Päckchen in Hüllen, die zwar schon besser in der Handhabung waren aber immer noch nicht gut zu lagern. Ein Ordnungssystem musste her. Der Forentipp war, sich selber Schuber zu bauen, aber ich hatte den Ehrgeiz, den Originalkarton mitzuverwenden. Nach ersten Pappprototypen war ich zufrieden und habe an einem Nachmittag das fertige Set gebaut. Die Grundlage bildet eine Inneneinteilung aus Kapafix (Polyurethan-Hartschaum, gibt’s in jedem gut sortierten Bastelladen oder wie ich Reste bei befreundeten Künstlern abstauben…). Vier Wände zum zusammenstecken formen ein Doppelkreuz, das die Packung in 9 unterschiedlich große Fächer unterteilt. An zwei Seiten passen alle Karten hin (Stand Juli 2011, alles bis Reiche Ernte). In der Mitte ist Platz für Marker und Blaue Karten und oben und unten sind Startersets, Geld und Punktekarten für zwei unabhängige Runden mit je 3 Spielern.
Der Zusammenbau
Man braucht 2 hohe Trennwände 60×289mm². 100mm von den Rändern entfernt wird ein 5-6mm breiter Spalt 20mm tief eingeschnitten.
Außerdem zwei niedrige Trennwände 40×289mm². Auch hier wird 100mm von den Rändern entfernt ein 5-6mm breiter Spalt 20mm tief eingeschnitten, aber zusätzlich die Trennwand zwischen den Spalten auf 30mm gekappt (für den Stapel blaue Karten in der Mitte). Als Abstandshalter, damit auch bei eingesetzten Startersets geblättert werden kann bieten sich noch jeweils zwei 100×30mm³ große Stücke an, die plan links und rechts unten bündig angeklebt werden (siehe Bilder).
Die Trennwände werden jetzt zusammengesteckt und dann in einen der großen Kartons eingesetzt, die man übrig hat, wenn man gerade dabei ist, all seine Dominions zusammenzuräumen.
Die Königreichkarten
Damit man die Karten auch findet habe ich alle konsequent alphabetisch sortiert, dann Zwischenreiter aus etwas festerem Papier (120g/m²) geschnitten und dazwischen gesteckt.
Manche Buchstaben fielen zusammen (“IJ”, “NP, “QR”), manche fielen ganz weg (“C”,”O”,”X”,”Y”,”Z”) und bei allen Buchstaben mit vielen Kartensets habe ich ungefähr in der Mitte nach einem Trenner im 2. oder 3. Buchstaben gesucht und noch Unter-Unterteilungen gemacht (“Ap”,”Bi”,”Gew”,”Har”,”Kö”).
Die anderen Karten
Damit man nicht für 2,3,4 Spieler immer die Punktekarten umsortieren muss habe ich für bis zu 8 Spieler “Startersets” gemacht, d.h. jeweils drei Anwesen und 7 Kupfer in eine Hülle. Ich habe grüne Hüllen (die sonst für Punktekarten stehen) verwendet und immer ein Kupfer vorne, damit man sie erkennt, aber hätte ich eine weitere Farbe hier gehabt wäre es wohl das geworden. Mit den Startsets aus dem Weg sind jeweils 12 Punktekarten in den grünen Hüllen und dank Intrige und Basisset hat man genug Karten um das zweimal zu machen (kann also zwei unabhängige Viererpartien spielen). Die Tränke, Platin und Koloniekarten (Alchemisten, bzw. Blütezeit) sind hier auch in eigenen Hüllen ebenso wie die Flüche (einmal 20, einmal 10, damit man leicht für 2, 3 und 4 Spieler alles griffbereit hat). Das Geld ist in den Magichüllen blöd, da man jeweils 2-3 Hüllen pro Set und Sorte braucht und ich habe inzwischen wieder alles Geld für bis zu 4 Spieler (32 Kupfer, 40 Silber, 30 Gold) in einem großen Stapel mit Gummiband, der mit zwei Handgriffen vor Spielbeginn sortiert ist.
Oben und unten passt jetzt jeweils ein Stapel Geld, 3 Startersets, je 12 Anwesen, Herzogtümer, Provinzen hin. Flüche, Tränke, Platin und Kolonien werden verteilt und alles passt. Wenn man weiss, dass man immer nur zu 3. oder 4. spielt kann man hier natürlich mit mehr Luft packen.
Marker und Pappkarten
Die diversen Marker für Embargos, Piratenschiff und Siegpunkte passen in eine Bonbondose. Ich hatte zufällig noch eine leere Dose “Bachblütennotfallbonbons”, die genau passt und mit einem kleinen Innenaufteiler aus zwei kreuzweise verschränkten Pappsterifen auch alle vier Markersorten verschüttelsicher trennt. Aus einer der Karten habe ich den Ritter herausgeschnitten und aufgeklebt und jeder denkt, es wäre Originalzubehör.
Die Pappscheiben waren schwieriger. Die Siegpunkttableaus und das Handelsstrassetableau aus Blütezeit habe ich rundherum kleiner geschnitten, damit sie auf ca. 72×72mm² passen und mit einem Geschirr aus Pappe in dem mittleren der neun Kompartements verschwinden können. Darauf passt dann auch genau die Dose mit den Markern. Piratenschiff habe ich aus Platzgründen weggelassen und auch von Insel und Eingeborenendorf jeweils nur vier dabei, d.h. hier muss man im Zweifel improvisieren. Damit Insel und Eingeborenendorf überhaupt in die Packung passten habe ich sie von der Rückseite mit dem Cutter halb eingeritzt und geknickt. Aufgeklappt kaum merkbar aber so passen sie ganz oben links und rechts über die Karten.
Anleitungen
Wenn man mal einmal gemerkt hat, dass es zu zweit 8, zu dritt und viert 12, zu fünft 15 und zu sechst 18 Provinzen gibt und auch die Fluchkarten-Formel “(n-1)*10″ gelernt hat braucht man die eigentlichen Anleitungen zwar selten, die Königreichkartenerklärungen sind aber oft sinnvoll um Regelstreits zu schlichten. Um sie im Normalfall aus den Füßen zu haben ist in meinem Deckel jetzt ein alter, aufgeschnittener Briefumschlag kippbar festgeklebt der von zwei Paar flachen Neodymmagneten gehalten wird. Das ist aber deutlich schon Kür und nicht mehr notwendig (für geeignete Werte von „notwendig“). Auf die Kartenübersichten habe ich noch den Namen des Sets geschrieben, da das der einzige Punkt ist, wo das Symbol mal helfen würde aber nicht aufgedruckt ist.
Die Reste
Alles, was noch über ist (und oben im Bild vornedran liegt) sind 2 Startersets für Spieler 7 und 8, ein paar Flüche, die man selten in der Menge braucht, die Müll- und Blankokarten und die Tableaus, die ich nicht verwende. Passt auch in einen kleinen Schuber, wenn man’s mitnehmen will. Wenn man eh ein paar Karten hat, die man nicht mag bekommt man das alles sicher auch noch rein.
Zusammenbau
Nochmal im Schnelldurchgang:
- Kapafix-Trenner schneiden
- Karten alle Stapelweise in Magic-Hüllen – Königreichkarten links und rechts
- Startersets, Punktekarten, Geld, Flüche oben und unten
- Tableaus in der Mitte, darauf die Markerdose
- Stapel mit blauen Karten auf der Markerdose
- Insel/Eingeborenendorf oben links und rechts
- Anleitungen im Deckel
- 4556g Dominionmegabox ist fertig (ich empfehle eine enge Stofftasche (z.B. die lilafarbenen “Perfetto” aus dem Karstadt) zum Transport, weil kein Gummiband mehr diesen Deckel hält.
Tipps zum Spiel mit dem Megaset
Wenn wir eine Partie beginnen ziehen wir / wählen wir aus dem Stapel blauer Karten. Die gewählten 10 werden alphabetisch sortiert und die zugehörigen Stapel aus der Box genommen. Die blauen Karten verwenden wir nur zur Auswahl am Anfang — zum “Stapel ist leer”-Markieren kann gut die Schutzhülle unter den Karten liegen bleiben.
Wenn die Partie rum ist und wir das nächste Set gewählt haben werden neue blaue Karten und alte Stapel zusammen alphabetisch sortiert und so kann man einmal durch die Schachtel gehen, für jede blaue Karte einen Stapel rausnehmen und die alten Stapel gerade wieder einsortieren.
Für Müll nehmen wir meistens eine der ungenutzen großen Tableaus (Insel/Eingeborenendorf) mit der hellblauen Rückseite nach oben. So (oder mit der hellgrünen Rückseite der Siegpunkttableaus) kann auch der Bannkartenstapel für die Junge Hexe gekennzeichnet werden.
Die Preiskarten für’s Turnier sind in dem Stapel der Turnierkarten drin, da man sie ohne Turnier eh nicht braucht.
Bei allen Punktekarten sind oft die untersten vier Karten mit der Rückseite nach oben drin, dann ist man für’s Zweierspiel besser gerüstet.
Zu guter Letzt hat sich noch gezeigt, dass man eh nie alle 10 Königreichkarten benutzt und wir lassen jetzt solange die Hüllen drum, bis jemand die erste kauft, dann sieht man noch schön, welche Karten schon im Umlauf sind.
Weniger Erweiterungen?
Mit 1-2 Erweiterungen weniger passt das auch noch prima und hat nur mehr Spiel, ansonsten kann man Stückweise von den 6 Bereichen welche zumachen und entweder mit Karten aus der Mitte füllen. Wenn das auch noch zu wackelig ist passen Tempopackungen exakt in die Seiten und können als Platzhalter dienen bis man alles zusammen hat.
Nachbauen erwünscht!
Wer das auch will hat hier ja alle Infos. Man braucht im Endeffekt eine Platte 5mm Kapafix (oder einen Rest davon), einen Cutter und Unterlage, ~ 150 Hüllen, eine Dose Bonbons, Doppelseitigen Kleber, etwas stärkeres Papier, Neodymmagnete, und einen Nachmittag Zeit. Wer mehr Fragen hat, gerne Mail an mich. Wenn das jemand von Hans im Glück liest: Ich habe zwar alle sechs Dominionspiele aber keines der drei Promokartensets und meine Adresse steht oben im Impressum
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Nachwort
Die Bilder sind von mir und das Gebastelte auch aber die Spiele und Karten, die in den Fotos auftauchen sind im Original von Rio Grande Games und werden in Deutschland von Hans im Glück verlegt und von Schmidt Spiele vertrieben, deren jeweilige Rechte ich hiermit nicht verletzen will.
Posted from Frankfurt, Hessen, Germany.
Erstellt am Samstag 6. August 2011
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