Es zeichnet eine Idee aus, wenn man sie in wenigen Sätzen erklärt hat und danach erstmal denkt “und was ist jetzt die Innovation daran?”. Innovativ war an Dropbox nur, das es konsequent umgesetzt wurde und damit zufällig so einen Nerv getroffen hat. Dadurch ist es (trotz anderer Dienste, die es gibt und die in eine ähnliche Richtung gehen) zum Quasi-Standard der Datenhaltung im Netz avanciert.
Wer’s ausprobieren will kann das sehr gerne über diesen Link tun, dann haben wir beide was davon, nämlich 256MB mehr Kapazität.
Was ist Dropbox? Kurz gesagt Network Attached Storage, eine Art “Festplatte” im Netz. Solche Dienste gibt es und gab es viele, Dropbox besticht durch die Einfachheit. Jeder kriegt kostenlos 2GB Platz und unlimited Traffic (Bezahlvarianten für 50, bzw. 100GB existieren). Darin kann man Ordner erstellen und Dateien ablegen. Versionierung für die letzten 30 Tage ist inbegriffen. Man kann Folder mit Freunden oder der Welt sharen. Die Daten werden in der Amazon Cloud gehostet was für deren (Ausfall-)Sicherheit spricht. Die Sicherheit vor unerlaubtem Zugriff muss man den Betreibern glauben — bei den Petabytes, die sie rumschieben, ohne das der kleinste Skandal irgendwo zu lesen ist, scheint es da aber keine Bedenken zu geben.
Der Produktivitätsgewinn stellt sich durch die Synchronisation ein. Für alle großen Plattformen gibt es sehr angenehm gestaltete Hintergrundprogramme, die lokale Kopien der Verzeichnisse anlegen und mit der Kopie in der Cloud abgleichen. Dadurch, dass die lokalen Verzeichnisse bis auf ein paar unsichtbare Steuerdateien für alle Belange des Systems normale Verzeichnisse sind ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten, Rechner untereinander abzugleichen. Man kann auf Windows z.B. ein Dropboxverzeichnis als “Eigene Dateien” eintragen, kann seine Firefoxbookmarks in die Dropbox legen, und vieles mehr. Unter linux mit Symlinks die Konfiguration von Programmen aus den Dropboxverzeichnissen ziehen und so zwischen Rechnern abgleichen, ohne per Crontab extra irgendwelche svn/cvs/git/hg/whatever-Dienste anstossen zu müssen ist ein Anwendungsfall, den ich sehr schätze.
Durch die Integration von mobilen Clients (iPhone, Android, Blackberry) ist es auch möglich, unterwegs auf alles zuzugreifen. Unter iPhone (und bestimmt auch für die anderen Plattformen) gibt es bei fast allen Dokumententools die Möglichkeit, direkt auf der Dropbox oder per API mit dem installierten Dropbox-Client zu interagieren. Photos, Videos, Audio unterwegs dabeihaben, Worddokumente on-the-go editieren und weitergeben, Notizen überall synchronisiert haben — alles ist über den Dienst abgebildet.
Faszinierend ist, dass es die Einzelteile eigentlich immer schon gab, aber selbst bei mir als Bastler doch die eine, große Lösung fehlte, die zuverlässig all meine Shells miteinander abgleicht und mir vieles, was ich notgedrungen als Mails oder sogar in Zetteln mit mir rumtrage auch zuverlässig da verfügbar macht, wo ich gerade bin. Dropbox tut das, muckt nicht, kostet nix und funktioniert einfach. Qualitäten, die bei solchen Diensten nicht zu unterschätzen sind.
Die Verzeichnisse sind auch kollaborativ nutzbar, entweder einzeln an konkrete Mitglieder zum Zusammenarbeiten (so habe ich Zugriff auf den Orgafolder einer Hochzeit bei der ich im nächsten Jahr Trauzeuge bin) oder auch als USB-Stick-Ersatz (Konzertaufnahmen als MP3s mal gerade an den ganzen Chor verteilt ohne extra irgendwo Webspace aufsetzen zu müssen). Auch ganz öffentliche Verzeichnisse, die ohne Anmeldung sichtbar sind werden unterstützt — Anleitungen, wie man darauf eine verteilt gepflegte Webseite aufbaut gibt es auch…
Ich habe durch Dropbox auf all meinen Rechnern einen Ordner, der auf all diesen Rechnern immer gleich aussieht, ohne, dass ich mich darum kümmere. Ich kann ihn auch unterwegs von meinem iPhone aus einsehen und editieren. Wenn mir jemand dann eine Mail mit einem Dropbox-Link schickt um mir Daten zukommen zu lassen oder mit mir an etwas zu arbeiten klicke ich einmal drauf und diese Daten sind auf all meinen Rechnern verfügbar. Klingt einfach, ist aber toll.
Alles in Allem bin ich begeistert (merkt man kaum) und empfehle den Dienst jedem, der gleichzeitig an verschiedenen Rechnern arbeitet, der vom Smartphone aus Zugriff auf seine Daten möchte oder der oft zwischen Freunden oder Kollegen größere Datenmengen austauscht. Wenn Ihr’s probieren wollt und statt 2GB sogar 2,2GB wollt, geht über diesen Link, dann haben wir beide was davon
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Links auf die vielen Seiten die (meist auf englisch) detailliert beschreiben, wie man jetzt die Savegames von Computerspielen unter Windows 7 austauscht, wie die Bookmarks von Firefox per Dropbox über Rechnergrenzen hinweg synchron gehalten werden können oder wie man ein Truecrypt-Volume in den Folder tut (wo auch immer dabei das Problem ist), gibt’s bewusst keine — die ändern sich sowieso täglich und ein kurzes Googlen hilft weiter. Ich finde es ausserdem spannender, die “25 innovative uses for Dropbox” selber zu finden und nicht irgendwo nachzulesen.