Shiiiiii-owgirls
Da ich 2h zu früh am Flughafen bin (und mein Gepäck mit 22,0 und 21,5 kg bei erlaubten 2×23kg zwar ein Grinsen auf dem Gesicht des Sicherheitsbeamten hinterliess aber jetzt ohne mich weiter klarkommt) bleibt mir hier im Sicherheitsbereich ausser Starbucks und Duty Free (was aber nicht wirklich viel billiger ist dank Dollarkurs) nichts übrig als weiter zu bloggen — freies WiFi gibt’s nämlich!
Über einen Abend in Provincetown hatte ich noch nichts geschrieben, und alle Details davon kann ich auch nicht schreiben, nach dem heute der JMStV durch ist und ich immer verwirrt bin, ob’s bei Euch jetzt schon nach 23h ist
.
Ich beschloss, da ich für Disco und Clubbing einfach nicht in der Stimmung (lies: zu alt und müde von 2,5 Wochen Urlaub) war, den Abend in Provincetown nach einem sehr schönen Whale Watching Trip mit einer Institution des dortigen Nachtlebens zu verbringen: Einer Dragrevue im Crown & Anchor namens “Ryan Landry’s Showgirls” die dort jeden Montag stattfindet. Mit ein paar Startnummern der Gastgeberin moderierten gleich zwei Drag Queens einen Abend wo lokale Künstler gesungene oder nur getanzte oder anders musizierte Nummern ablieferten und das Publikum am Schluss abstimmte, wer der beste Act war und dafür dann $500 bekam.
Das Publikum war in guter Laune, die Leute auf der Bühne auch und neben einem Mädel, das Hoola-Reifen tanzte und einer Frau, die (sehr virtuos) Blockflöte mit der Nase spielte waren alles Männer in Frauenkleidern oder zwischenzeitlich auch ganz ohne Kleider. Richtig jugendfrei waren keine 10 zusammenhängenden Minuten der Show und ich were gerade rot beim überlegen, was davon ich hier schreiben kann. Erinnerte mich von der Atmosphäre her an die Liveübertragungen vom Hanburger Schmidt Theater unter Corny Littmann nur -äh- etwas willenloser.
Der Host meinte auch irgendwann, “for those of you, who expected a professional performance: We got your $12.99, F**k you! For all others: Welcome to the inofficial town meeting of Provincetown”, gab also zu, dass sie das alles mehr oder weniger für ihren eigenen Spass machen. Die Acts rangierten von sehr gut bis seltsam bis peinlich, aber die Stimmung war klasse und man merkte, dass neben mir vielleicht noch eine Handvoll Touristen da waren, und die Show so früh im Juni eher die ständigen Bewohner P-Towns anzog, von denen viele offenbar auch gerade erst aus den Winterdomizilen in Florida wieder angereist waren um die Saison zu beginnen. Nahezu jeder Act wurde angekündigt mit etwas in der Richtung von “Tagsüber Besitzer von 2 Frisörsalons, heute Abend als Celine Dion,…”, und ich bin auch sicher, dass mir einer der Queens tagsüber noch einen Kaffee verkauft hatte.
Das familiäre war mit das schönste — viele im Publikum haben selber Geschäfte oder Hotels in der Stadt, einer Zwischenmoderation ernte auch tosenden Applaus, wo man den Sieg über die “Yuppies” erklärte, die dachten, mit ihren Villen den bunten Mix an der Spitze des Capes dominieren zu können, aber angesichts der Finanzkrise jetzt alle wieder verschwanden. Den Juni, den Obama zum Gaypride-Monat erklärt hat, habe ich hier in der richtigen Stadt begonnen.
Falls also einer der Leser reich, single und bereit für’s Auswandern ist, ich käm dann für die Sommer mit nach P-Town und würd sogar Montagsabends singen gehen, wobei die $500 bei der Konkurrenz hartverdientes Geld sind.
Posted from Provincetown, Massachusetts, United States.
Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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