Archiv für die 'USA' Kategorie

Shiiiiii-owgirls

Da ich 2h zu früh am Flughafen bin (und mein Gepäck mit 22,0 und 21,5 kg bei erlaubten 2×23kg zwar ein Grinsen auf dem Gesicht des Sicherheitsbeamten hinterliess aber jetzt ohne mich weiter klarkommt) bleibt mir hier im Sicherheitsbereich ausser Starbucks und Duty Free (was aber nicht wirklich viel billiger ist dank Dollarkurs) nichts übrig als weiter zu bloggen — freies WiFi gibt’s nämlich!

Über einen Abend in Provincetown hatte ich noch nichts geschrieben, und alle Details davon kann ich auch nicht schreiben, nach dem heute der JMStV durch ist und ich immer verwirrt bin, ob’s bei Euch jetzt schon nach 23h ist ;-) .

Ich beschloss, da ich für Disco und Clubbing einfach nicht in der Stimmung (lies: zu alt und müde von 2,5 Wochen Urlaub) war, den Abend in Provincetown nach einem sehr schönen Whale Watching Trip mit einer Institution des dortigen Nachtlebens zu verbringen:  Einer Dragrevue im Crown & Anchor namens “Ryan Landry’s Showgirls” die dort jeden Montag stattfindet. Mit ein paar Startnummern der Gastgeberin moderierten gleich zwei Drag Queens einen Abend wo lokale Künstler gesungene oder nur getanzte oder anders musizierte Nummern ablieferten und das Publikum am Schluss abstimmte, wer der beste Act war und dafür dann $500 bekam.

Das Publikum war in guter Laune, die Leute auf der Bühne auch und neben einem Mädel, das Hoola-Reifen tanzte und einer Frau, die (sehr virtuos) Blockflöte mit der Nase spielte waren alles Männer in Frauenkleidern oder zwischenzeitlich auch ganz ohne Kleider.  Richtig jugendfrei waren keine 10 zusammenhängenden Minuten der Show und ich were gerade rot beim überlegen, was davon ich hier schreiben kann.  Erinnerte mich von der Atmosphäre her an die Liveübertragungen vom Hanburger Schmidt Theater unter Corny Littmann nur -äh- etwas willenloser.

Der Host meinte auch irgendwann, “for those of you, who expected a professional performance:  We got your $12.99, F**k you! For all others: Welcome to the inofficial town meeting of Provincetown”, gab also zu, dass sie das alles mehr oder weniger für ihren eigenen Spass machen.  Die Acts rangierten von sehr gut bis seltsam bis peinlich, aber die Stimmung war klasse und man merkte, dass neben mir vielleicht noch eine Handvoll Touristen da waren, und die Show so früh im Juni eher die ständigen Bewohner P-Towns anzog, von denen viele offenbar auch gerade erst aus den Winterdomizilen in Florida wieder angereist waren um die Saison zu beginnen. Nahezu jeder Act wurde angekündigt mit etwas in der Richtung von “Tagsüber Besitzer von 2 Frisörsalons, heute Abend als Celine Dion,…”, und ich bin auch sicher, dass mir einer der Queens tagsüber noch einen Kaffee verkauft hatte.

Das familiäre war mit das schönste — viele im Publikum haben selber Geschäfte oder Hotels in der Stadt, einer Zwischenmoderation ernte auch tosenden Applaus, wo man den Sieg über die “Yuppies” erklärte, die dachten, mit ihren Villen den bunten Mix an der Spitze des Capes dominieren zu können, aber angesichts der Finanzkrise jetzt alle wieder verschwanden. Den Juni, den Obama zum Gaypride-Monat erklärt hat, habe ich hier in der richtigen Stadt begonnen.

Falls also einer der Leser reich, single und bereit für’s Auswandern ist, ich käm dann für die Sommer mit nach P-Town und würd sogar Montagsabends singen gehen, wobei die $500 bei der Konkurrenz hartverdientes Geld sind.

Posted from Provincetown, Massachusetts, United States.

Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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Boston Beans, das Segeln und die Kunst

Um den touristischen, zweiten Teil der Reise auch richtig touristisch abzuschliessen, wurde Boston ausschliesslich touristisch erkundet — für alles andere bin ich auch langsam zu kaputt; 3 Wochen Urlaub strengen mehr an als ich dachte.

…in Boston even Beans do it.

Also zählt hier die Bequemlichkeit.  Mietauto im Hotel vom Valetservive parken lassen während man mir die Koffer auf’s Zimmer gebracht hat.  Kurze Dusche, Auto zurückbringen zum Flughafen, 7-Tages-Ticket für die Bahn gekauft (billiger als zwei 1-Tages-Tickets und danach einfach kein Stress mehr) und ab zu den Trolley-Tours.  Da ich echt keinen Bock mehr auf Rumgehen hatte, hab’ ich mich mit einem älteren spanischen Ehepaar, einer amerikanischen Familie und 2 Japanern in einem roten, offenen kleinen Bus durch die Stadt karren lassen während vorne einer mit Mikro erzählt hat, was wir da so alles sehen.  Er erwähnte sogar, dass die “Boston Beans” daher kommen, dass die frühen Puritaner Sonntags nicht arbeiten und somit auch nicht kochen durften und es deshalb Samstags immer große Portionen Baked Beans gab, die man dann Sonntag kalt essen konnte.  Mahlzeit.

Die Tour war ganz witzig, und den Freedom Trail Walk hab’ ich mir danach auch gespart, da 5km in der Sonne durch die Stadt laufen irgendwie nicht mehr so attraktiv klangen wie im Reiseführer.  Stattdessen mit der U-Bahn ein paar Punkte in der Stadt angekuckt und früh ins Bett.

Der zweite Tag Boston begann mit dem Science Museum (wobei ich das in Chicago deutlich besser fand, aber da das hier in einem Kombipass mit drin war und 100m von meinem Hotel weg ist…). Dort zum ersten Mal seit ungefähr 25 Jahren einen Film in einem Omnimax gesehen (das letzte Mal war in Den Haag als mein Onkel und meine Tante da noch wohnten).  Irgendwie beeindruckender als 3D, finde ich.

Nach dem Science Museum dann ins New England Aquarium Pinguine, Haie, Robben, Quallen, und Horden von Schulkindern gesehen.  Die Schulen scheinen heute alle Wandertag zu haben — im Museum waren ungefähr 200-300 Kinder aus der 5. Klasse (wie man ihren farbigen T-Shirts entnehmen konnte) und im Aquarium auch (sogar andere, oder die haben sich alle in der Zwischenzeit umgezogen). Das Aquarium war ganz nett, aber irgendwie setzt langsam eine Reizüberflutung ein :-) .

We are Sailing…

Nach dem Aquarium das eigentliche Highlight:  Segeln in der Hafenbucht mit einem zwar erst 25 Jahre alten, aber nach Plänen traditioneller Schoner gebauten Zweimaster.  Die Gruppe war klein, das Schiff toll und die zwei Stunden auf See sein waren es auf jeden Fall wert.  Auf den Bildern die Skyline Bostons von weit, mittel und nah — samt Teilen des Vordeck des Schiffes mit drauf.

Nach dem Schiff ging’s zum Kunstmuseum, das blöderweise heute freien Eintritt hatte — blöderweise, da es nicht im Netz stand (wo ich extra gekuckt hatte, weil die Chicagoer Museen fast alle einen freien Tag oder Abend haben) und der Kombipass mit Science Museum und Aquarium eigentlich nur den Zweck hatte, billiger ins Museum of Fine Arts zu kommen, das dann mein Ticket gar nicht wollte…  Verschenke ich’s halt morgen nebst noch 5 Tage gültiger ÖPNV-Karte an irgendwen am Flughafen.

Bilder einer Ausstellung

Das Museum of Fine Arts fasste mit seinen Sammlungen thematisch gleich drei Museen in Chicago zusammen, die ich dort gesehen hatte:  Natürlich das Chicago Arts Institute, aber auch das dortige Museum für Moderne Kunst und die Sammlung des Oriental Institutes an der Chicagoer Uni.  Hier in Boston gab es neben Bildern (hauptsächlich europäische und asiatische, aber auch modernes aus Amerika) auch viele Skulpturen (römisch, griechisch, ägyptisch, italienische Renaissance) und eine sehr interesannte Wechselausstellung über ein ägyptisches Grab.  Während sonst oft Säleweise ägyptische Statuen stehen (nicht nur deswegen sehr zu empfehlen ist das Neue Museum in Berlin, in dem ein großer Saal dieser Statuen sehr schön didaktisch aufbereitet präsentiert wird), ist hier alles aus einer einzigen Ausgrabung dargestllt samt Bildern und Geschichte der Ausgrabung (1915) selbst und Rekonstruktionen der Dinge, die wegen Grabräubern eben nicht mehr dort waren.

Für Mesopotamien lohnt sich nach wie vor Berlin — im Pergamommuseum ist ein komplettes Markttor und die zugehörige Passage mit goldenen Löwen auf türkisenem Grund ausgestellt und von diesen Löwen habe ich jetzt auch je 2 in Boston und Chicago gesehen, aber eben nur 2 (immerhin ca 2×1m grosse Reliefkacheln) und nicht ca. 100 wie in Berlin. Die überlebensgroße ägyptische Königsstatue aus dem Oriental Insitute in Chicago war aber beeindruckender als alles andere Ägyptische in den anderen Städten.  Dort ist auch die Sammlung sumerischer Keilschrift, die die Entwicklung der ersten Schriftzeichen bis zu den Ägyptern zeigt hervorzuheben.  Ob Boston wirklich weniger beeindruckend war oder ich einfach weniger aufnahmefähig weiss ich nicht, aber vom Gefühl her ist beides zutreffend.  Riesig ist das Museum hier trotzdem, aber Chicago war halt noch riesiger.  Fairerweise muss man dazusagen, dass Boston gerade einen Anbau bekommen hat, der im November öffnet, in dem sie dann Amerikanische Kunst ausstellen werden, wobei zwei der wenigen Sachen, die ich von amerikanischer Kunst kenne (Hoppers Nighthawks und Grants American Gothic) neben dem omnipräsenten Warhol schon in Chicago hängen.

Mit Berlin, Chicago und Boston habe ich jetzt glaube ich erstmal eine Zeit genug von Museen und merke auch, dass man das mag, was man kennt:  Ich bleibe am längsten stehen bei den Werken der europäischen Künstler, die in meinem Elternhaus (als Drucke) hängen, und deren Stil ich deswegen erkenne, so habe ich jetzt unzählige Gemäde Monets, Picassos, Gaugins und Matisses im Original gesehen, Drucke von Dürer, Statuen von Rodin, sogar Statuen von Matisse und Holzschnitzereien von Gaugin, die ich beide vorher nur als Maler kannte.

Die mehr als 100 Bilder, die ich in den diversen Museen gemacht habe darf ich aus Copyrightgründen hier sehr wahrscheinlich sowieso nicht “ausstellen”, deshalb mache ich mir auch nicht die Mühe und suche drei raus — Kunst wirkt sowieso nur in Originalgröße.

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Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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Pilgerfahrt zum Whale Watching

Ein wunderschön sonniger Tag in P-Town lud ein, das hiesige Standardtagesprogramm zu absolvieren mit Geschichtsunterricht auf dem Granitturm und Biologie in der Bucht.  Das Standardnachtprogramm hätte es gestern gegeben, wenn ich 10 Jahre jünger oder nicht schon seit 2 Wochen unterwegs wäre. Die Augenringe der anderen Gäste beim Frühstück liessen auf schöne Clubnächte schliessen, aber danach stand’s mir gestern nicht.  Heute ausgeruhter ging’s zum Frühsport auf die größte freistehende, nur aus Granit erbaute Struktur Amerikas: Das Pilgrims Monument, das Anfang letzten Jahrhunderts hier errichtet wurde um an die Ankunft der Pilger zu erinnern, die 1620 zuerst hier in der Bucht landeten bevor sie weiter nach Plymouth segelten.  Der Turm hat 77 Meter und keinen Aufzug.  Wenigstens gab’s einen Aufkleber wenn man’s geschafft hat, wobei der Ausblick von dort die eigentliche Entlohnung ist.  Die beiden linken Bilder sind vom Turm aus gemacht, das dritte ist vom Whale Watching Schiff aus der Turm aus der Ferne.  Links der Blick über das Eastend von P-Town, in der Mitte die Werft, wo u.a. auch das Boot für die Tour anlegte.

Bevor ich vom Whalewatching schreibe noch ein kurzer Einschub zu den Pilgern:  Die waren keineswegs die ersten europäischen Siedler in Amerika, aber die erste Kolonie in Neuengland, die, verfolgt von der britischen Kirche, hierherkamen um in Ruhe ihre Religion leben zu können. Vieles, was man als den “amerikanischen Spirit” bezeichnet und was sich in Freiheitsdenken und der späteren Abkoppelung von der Krone äussert wird auf eben diese wenigen Familien zurückgeführt, die 1620-1623 mit vier Schiffen in Plymouth landeten.

Von den vier Schiffen ist die Mayflower das bekannteste.  Diese wurde 1957 (soweit möglich) originalgetreu nachgebaut und fuhr von England nach Plymouth mit einem Tag Zwischenstop in Provinctown.  Seitdem liegt sie in Plymouth am Hafen und kann besichtigt werden.  Ein paar Mitarbeiter in Kostüm sind auf dem Schiff, geben die Originalpilgerer und lassen sich in breitestem British English über die Krone und den Papst aus, erzählen von der anstrengenden Überfahrt und erklären, wie die einzelnen Teile des Schiffes funktionieren.  Die “Blöcke”, also die Flaschenzüge mit denen die verschiedenen Segel und Masten bewegt werden können sehen aus wie auf meinen Segeltrips in Holland — aber schliesslich wurde die Mayflower ja auch ursprünglich dort gebaut.  Nach dem (übrigens sehr kleinen) Schiff ging’s dann weiter zur “Plimouth Foundation” (kein Schreibfehler, das Y kam erst später).  Dort sind ca. 20 Reetgedeckte Häuser aufgebaut, in einer Form wie man sich heute die erste Siedlung der Pilgerer um 1625 vorstellt. Hühner liefen rum, Zwiebeln wurden von Darstellern in originalgetreuer Kleidung gepflegt und geerntet — kleine Zicklein und sogar zwei Kühe gab es.  Die Darsteller waren sehr informativ und das ganze gab ein schönes Bild ab, wie wohl das Leben damals war.  Auch ein paar Hütten eines Indianerdorfes in der Nähe sind aufgebaut mit Stammesangehörigen der Indianer die Riten und Werkzeuge von damals erklären.  Interessant war, dass in der ersten Siedlung alles friedlich anfing und solange der Häuptling, der die ersten Siedler empfing und der Anführer der Siedlerkolonie beide lebten auch nie Verletzungen des Friedenspaktes vorkamen.  Die Indianer halfen den ersten Siedlern beim Anpflanzen der hiesigen Gemüse und brachten so Mais, Kürbis und Bohnen in die amerikanische Küche.  Von der Mayflower II habe ich leider nur Bilder von der Haupttakelage und vom Beiboot aber immerhin ein schönes vom oberen Eingang der Siedlung ist dabei:

Nach dem ganzen Geschichtsunterricht (Bei Mayflower, Siedlung und Monument war jeweils ein Museum dabei und ein weiteres Pilgermuseum hatte ich noch in Plymouth besucht) ging’s dann heute zum Whale Watching.

Ich dachte mir, “muss man halt mitmachen, wenn man hier ist” und erwartete, drei Stunden durch die Sonne zu kuttern und ein paar Schwarze Punkte am Horizont gezeigt zu bekommen, die dann die Wale sein solltn.  Gut, dass ich mich irrte.  Insgesamt 11 Buckelwale haben wir gesehen, alle 20-30m vom Boot weg.  Eine Gruppe mit drei ausgewachsenen Tieren und einem jungen Kalb ist sogar unter dem Boot durchgetaucht und das Kalb hat sich einen Meter neben dem Schiff auf den Rücken gedreht.  In dem Moment war ich auch zu beeindruckt, um die Kamera schnell genug zu zücken.  Die Tiere sind größer und schöner, als man das auf Fotos und Videos zeigen kann und wirklich sehr majestätisch von Nahem.

Eine witzige Geschäftsidee hat ein Filmemacher gehabt und begleitet jeden Tag ein paar Touren (so auch unsere) mit professionellem Kameraequipment und filmt vom Dach des Schiffes aus alles, was wir auch sehen.  Während dem Trip kann man ihm dann Adresse und Geld geben und bekommt (so meine Hoffnung) in ein paar Wochen eine DVD zugesandt, mit genau der Tour auf der man mit war, gepaart mit ein paar Einführungsvideos zu der ganzen Sache.  Ich bin gespannt, und habe dann auf dem Weg vielleicht doch ein paar schöne Aufnahmen von den Exemplaren die so nah kamen.

Hier ein paar Bildausschnitte von dem Tag:



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Erstellt am Dienstag 8. Juni 2010
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Trotz allem Fleisch, es gab auch Fisch

Strukturierendes Element der Zeit in Chicago waren die beiden Generalproben und die beiden Auftritte von Brahms “Ein Deutsches Requiem”. Die Proben waren an den beiden heissesten Tagen, die ich hier hatte und fanden eng gestellt in einer unklimatisierten Halle unter starkem Scheinwerferlicht statt. Mich dadurch konstant selbstdehydrierend hatte ich ein wenig Mitleid mit den Sängern links und rechts von mir da das Einsingen dort mit einem “dreht Euch mal zur Seit und massiert die Schultern Eures Nachbarn” in beide Richtungen beginnt und ich mich in dem Zustand nicht hätte massieren wollen…

Von den klimatischen Details abgesehen waren es zwei schöne Proben und zwei sehr schöne Auftritte.  Anstrengend aber lohnend (so fand ich zumindest). Von der Aussprache muss ich im Vergleich zum letzten Eintrag über die Probe auch zurückrudern:  Bis auf ein paar näähmen und säählig waren die ziemlich gut für Leute, die kein Wort Deutsch können und bei der ersten Probe standen wohl ziemlich viel aus dem Motettenchor um mich, die das Stück zu der Probe selber zum ersten Mal mit allen zusammen sangen und sich bis zur zweiten Probe alle nochmal die Aussprache angekuckt haben.

Überhaupt das Brahmsrequiem mit meinen Gastgebern singen zu können war toll, da mein allererstes Oratorium, dass ich sang eben dieses war — Karfreitag 2003.  Auch Thomas kam damals neu im Unichor an und wurde von mir gleich zu Schröder mitgeschleppt, wo er dann später Katharina traf.  Das Stück dann mit den beiden zusammen nochmal singen zu können war ganz unabhängig von Chicago schon eine Fügung und um so schöner dadurch, dass es auch echt gut geklappt hat an beiden Tagen und hoffentlich eine brauchbare Aufnahme dabei herauskommt.

Der Blogtitel verbindet Auftritte und Party danach:  Wir mussten uns alle vorher in eine Liste eintragen und konnten gegen eine freiwillige Spende von $5 (die wohl ungefähr die Hälfte des Caterings getragen hat) an einem Picknick mit Getränken und Barbeque teilnehmen.  Angeblich sogar das klassische Memorial Day BBQ mit Cheeseburgern, Maiskolben und Wassermelone.  Lecker war’s auf jeden Fall.  Und der Anblick von >100 Leuten, die in feinen Anzügen auf der Wiese sitzen und von Papptellern Cheeseburger essen ohne sich Ketchup und Senf auf die weissen Hemden zu schmieren war auch schön :-) .

Richtiges BBQ gab’s für mich dann später wieder bei meiner Tante, die mir 2 Tage einen Einblick in echt Amerikanisches Leben gegeben hat.  Am ersten Tag gab’s Ribs (und keine Ripp”chen”) vom grossen Gasgrill im Garten des Holzhauses mit Barbequesauce und Kartoffelsalat und zum Frühstück Sausages, Ei und Bratkartoffeln.  Vom Fleisch falle ich hier schonmal nicht, und das, obwohl ich noch bei keinem einzigen Burger-Fastfood war (aber dafür ist ja noch die Rückfahrt vom Cape nach Boston da :-) .

Statt Fleisch gab’s heute Fisch satt.  Nach einmal auf halbem Weg umkehren und meine Jacke mit Geldbeutel und Kamera wieder bei meiner Tante abholen (150km für nix — aber das Benzin ist hier ja billig..) bin ich heute endlich in Provincetown angekommen.  Schwulenmekka an der Ostküste, teurer, kleiner Küstenort, wo sich viele Pärchen niedergelassen haben und kleine Kunstgaerien, Ledershops oder B&B’s betreiben.  Nach einem Gang am Strand während Niedrigwasser und durch die Stadt als das Wasser wieder kam bin ich allerdings so müde, dass ich hier um halb neun sitze, gegessen habe und nach den paar Zeilen für’s Blog wohl früh schlafen gehe (das Frühstück bei meiner Tante gab’s aber auch um 8 und ich bin dann mit der Geldbeutelrückholaktion heute insgesamt 6h Auto gefahren).

Zum Thema Essen:  Nachdem ich davon bisher immer nur las oder hörte hab’ ich endlich selber Clam Chowder gegessen und bin begeistert!  Muschelsud mit Muscheln, Fisch, Shrimps und Gewürzen, der mit Milch und Crackern gebunden wird.  Danach gab’s noch dort frischgemachte Hummerravioli (nach denen ich jetzt glaube ich kein künstliches Krebsfleisch mehr mag) und zum Abschluss einen Key Lime Pie — Mürbeteig mit sehr saurer Limetten-Frischkäse-Füllung.  Fast alle meiner “Kenne ich nur aus Fernsehserien” Gerichte, Orte und Geschäfte habe ich abgearbeitet, morgen geht’s noch 4h raus aufs Meer zum Whalewatching und dann weiter nach Boston wo der Freedom Trail und ein weiteres Kunstmuseum warten.

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Erstellt am Montag 7. Juni 2010
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beSchriftungen

Nachdem mich viele Amerikaner die ich über Thomas und Kathi treffe oder mit denen ich beim Busfahren ins Gespräch komme fragen, was denn so mein erster Eindruck ist habe ich mir Gedanken gemacht, was die Hauptunterschiede sind, die ich nach einer guten Woche Chicago feststelle.  Ein großer Punkt ist auf jeden Fall die Gelassenheit (die wie man mir sagte in New York auch anders wäre aber hier auf jeden Fall vorherrscht). Im Supermarkt geht alles langsam.  Die Leute an der Kasse gehen seelenruhig erstmal rüber in die Gemüseabteilung weil die Kundin irgendwelche Säfte 2 für 1 haben will, wovon die Kassierin nix wusste.  Das wird dann in Ruhe mit dem Chef der Gemüseabteilung, dem Kunden der Nachbarschlange und eigentlich jedem der da rumsteht ausdiskutiert.  Die, die vor mir oder auch hinter mir in der Schlange stehen sind davon nicht im geringsten irritiert, da ja eh jeder noch ein Stück fahren oder länger gehen muss (so meine Theorie). Auch in den Bussen und Bahnen ist’s eher ein “kommt irgendwann” und echte Fahrpläne gibt’s nur in den Nachtstunden, ansonsten steht auf dem Fahrplan sowas wie “alle 8-10 Minuten tagsüber”.  Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass das Mehr an Platz auch dazu führt, dass durch die größeren Wegezeiten mehr Toleranz bei Wartezeiten in Geschäften und bei anderen Dienstleistern da ist.

Eine andere Sache, die mir auffiel ist, dass die Amerikaner wirklich alles Beschriften, mit dem “Caution! Contents may be hot” auf den Kaffeebechern als prominentestem Beispiel.  Anders als ich dachte ist aber auch einfach vieles sehr sinnvoll beschriftet und Dinge, die in Deutschland beschriftet wären sind hier weggelassen.  Beispielsweise steht in jedem Bus (oder wird durchgesagt), wie der Bus heisst, in dem man sich befindet und auch das Prozedere der Kartenbeschaffung an den Automaten ist um ein vielfaches professioneller und benutzerfreundlicher gestaltet als der typisch deutsche Fahrscheinautomat.  Auf der anderen Seite habe ich noch an keinem einzigen Emergency Exit einen Warnhinweis gesehen, dass man das nur im Notfall benutzen soll — da trauen sie ihren Bürgern mehr zu als wir unseren.  Überhaupt die Benutzerfreundlichkeit von Automaten, Telefonmenüs (die ich dank AT&T PayAsYouGo-Phone ja zahlreich nutzen durfte) ist herausragend.  Auch Supermarkt und Restaurantkassen, die zu ganz grossen Teilen als Selbstbedienerterminals ausgelegt sind, um mit Credit/Debit/Sonstwas-Karte zu zahlen, selbst zu bestätigen/PIN einzugeben und auf dem Screen zu unterschreiben sind Dinge wo ich am Anfang gar nicht damit rechnete, das selbst machen zu dürfen und der irritiert schauenden Kassiererin meine Karte in die Hand drückte.

Das mit den Beschriftungen-nur-da-wo-man-sie-braucht geht soweit, dass als ein durchgehendes Designelement hier alle Türen auf der “Drücken”-Seite eine horizontale und auf der “Ziehen”-Seite eine vertikale Stange haben.  “Push” und “Pull”-Beschriftungen gibt’s nur in sehr touristischen Gebäuden; die ganze Uni und auch große Teile der Innenstadt sind nur durch die Richtung des Griffes logisch gekennzeichnet (siehe Bild aus dem Arts Institute of Chicago, dem ein eigene Beitrag gewidmet werden wird).

Eine Sache zum Thema Beschriftungen noch zum Schluß:  Es ist eine Wohltat, hier Schilder zu kucken.  Die ganze CTA (einer der beiden ÖPNV-Konzerne hier) verwendet Helvetica für die Stationen und auch an Geschäften und Schildern sieht man sehr viel Helvetica und Futura und erfreulich wenig Times und Arial.  Das stand erstaunlicherweise gar nicht im Reiseführer, auch wenn ich meine Gastgeber bei den ersten Touren durch die Innenstadt erfreut und laufend darauf hinwies :-) .

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Erstellt am Samstag 29. Mai 2010
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AT&T, Apple, Amerika

Der Plan war, hier von unterwegs zu bloggen, twittern, Fotos hochzuladen, nächste Läden zu finden, Buspläne online nachzuschlagen, News lesen bei der 30min-Metrafahrt in die Innenstadt, etc.  Dieser Plan funktioniert nicht.  Schuld ist keiner so richtig und alle ein bisschen.

Es begann damit, dass ich mir überlegte, mit einer eigenen SIM-Karte für USA mehr Spaß zu haben als wenn ich mein Handy hier nur als iPod benutze und mit Calling Cards und öffentlichen Telefonzellen den Rest regele.  Einiges Googlen später war ein Anbieter gefunden: USASims.  Die bieten von vielen verschiedenen amerikanischen Netzanbietern Prepaidkarten an, die man hier nicht wie bei uns Congstar im Laden kaufen kann sondern bestellen muss und oft ohne USA-Adresse und zu selbiger Adresse gehörige Kreditkarte aufgeschmissen ist.  USASims regelt das, bestellt die SIM nimmt deutsche Kreditkarten und schickt die SIM-Karte auch nach USA.  Die Anbieter unterscheiden sich so, wie auch in Deutschland die verschiedenen Prepaidtarife, es gab von allen Pakete für “Texting” (SMS), Freiminuten, Freizeiten etc. Nur Datentarife, die gibt’s nur von AT&T.  Beim Googlen kam mehrfach auf, dass AT&T wohl mit iPhones im Prepaidvertrag Probleme hat, so fragte ich bei USASims an und bekam ein “Kein Problem, regeln wir schon, geht dann” zurück.  Ausserdem hatte das AT&T GoPhone (wie mein Vertrag heisst) eine “25$ drauf machen und dann noch 25$ bekommen” Aktion.  Ich also alles ausgefüllt und abgeschickt.

In USA kam dann am ersten Abend die Ernüchterung:  Nach vielen Gesprächen mit AT&T und diversen Webseiten / Telefonmenüs und sogar echten Mitarbeitern kam heraus, dass die an Hand meiner IMEI (die ich angeben muss um die SIMKarte auf genau das Handy freizuschalten) merken, dass es ein iPhone ist und den Datentarif sperren.  Und zwar dank Steve Jobbs auch so richtig:  Das Menü, in dem ich den APN für die UMTS-Verbindung konfigurieren kann ist einfach komplett weg aus den Einstellungen (der Mensch von USASims meinte, dass man bei gejailbreakten Geräten hier einfach einen APN von AT&T eingeben muss und es geht dann trotz Prepaidvertrag).  Also nix Daten.  Auch das 25$-und-dann-noch-25$-dazu-Angebot war abgelaufen und galt für den Zeitpunkt der ersten Nutzung des Guthabens und nicht für den Zeitpunkt des Kaufes.

Im Endeffekt dachte ich, 50$ Guthaben zu haben, von denen $19.95 für den Datentarif (100MB flat) draufgingen, d.h. $30.05 zum Vertelefonieren.

Ich hatte durch die ganzen Wirrungen jetzt $5.05 Guthaben, einen Datentarif den ich nicht nutzen konnte (aber bereits bezahlt hatte) und die Schnauze voll…

USASims meldet sich nicht (wobei die zumindest für die 25$-Aktion nix können, aber für das iPhone-Debakel schon), und das nervt, weil ich ohne den Datentarif als Auswahlkriterium sicher zu einem anderen, billigeren Anbieter gegangen wäre und AT&T ist “terribly sorry, but yes, unfortunately you can’t use your iPhone with our prepaid data plan”.

Wenigstens konnte mir ein AT&T-Agent in einer Zweigstelle durch Jammern in meinem Namen den ungenutzen und unnützen Datentarif zurückbuchen, so dass ich die $19.95 jetzt als Guthaben habe, aber Internet unterwegs werde ich erst wieder in Deutschland haben :-( .

Spannend sind die Mobiltelefontarife hier insgesamt:  Man zahlt für eingehende Gespräche und SMS, so dass das Telefonieren für den Anrufer immer gleichbleibt.  Ausserdem gibt es viele “Zahl $1 für jeden Tag, an dem Du das Telefon nutzt dafür sind die Minuten dann billiger”-Angebote und ähnliches.  Sehr viel besser zurechtschneidbar als in Deutschland.  So habe ich auch eine $4.95-Pack für 200 SMSe erstanden und kann wenigstens Twitter von unterwegs nutzen, wenn auch ohne Bilder und Geotagging.  Wer also zeitnaher wissen will wo ich bin kuckt rechts bei “Mein Gezwitscher”.

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Erstellt am Dienstag 25. Mai 2010
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Loop and Lost

Der erste Tag in der eientlichen Innenstadt, dem “Loop”, der im Inneren einer Schleife der Hochbahn liegt und an den sich zum See hin die Parks anschliessen und die Fläche bis zum Wasser füllen. Die offensichtlichen Tourifotos habe ich alle gemacht:

  • Kathi und Thomas vor der Buckingham Fountain, besser bekannt als der Brunnen aus dem Al Bundy Vorspann
  • Uns reflektiert im Cloudgate, einer reflektierenden Skulptur am Millenium Park
  • Skyline durch die Wipfel eines erfreulich unorganisierten Gartens mitten im Park wo sie alles an Gestrüpp und Wildblumen angepflanzt haben, was dort wachsen würde, wenn es die Stadt nicht gäbe.

Danch noch im Panda Express Mittagessen (mal schauen, wie viel verschiedenes Fastfoot ich hier schaffe), shoppen bei Macy’s (2 Markenjeans, eine neue Jacke), und im Borders (einem Buchladen mit Café) Iced Coffee trinken und WLAN ausnutzen und dann ging’s für Kathi und Thomas zu einem Konzert, in dem John Rutter einen lokalen Chor dirigiert und ich habe mich trotz diesen Angebots aufgemacht, das LOST-Finale in einem Kino zu sehen.

Ann & Gordon vom Abend davor waren auch mit, danach auch noch auf ein Biert diskutieren, was genau das Finale uns jetzt sagen will (ohne zu spoilen kann ich sagen, dass das Finale nicht alle Fragen beantwortet) und dann bin ich zum ersten Mal alleine mit dem  ÖPNV hier nach Hause (mit Bahn und Bus ist’s ungefähr eine Stunde von der Innenstadt zu Thomas und Kathi).

Morgen (bzw. jetzt, da ich den Artikel gerade dank Jetlag vor dem Frühstück schreibe) geht’s zum Geburtstagsdinner für Kathi und abends Brahmsrequiem Generalprobe, für die wir gestern mittag schon hier geübt haben.

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Erstellt am Montag 24. Mai 2010
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Theater und Pizza-BBQ

Freitag Nachmittag gab’s Kleinkunst im Foyer des Steppenwolf-Theaters, das mit 2 kleinen 10min-Stücken zwischen denen Musik spielte seine Saison eröffnet hat.  Da einer der Musiker bei Kathi und Thomas in der Gemeinde ist waren wir dort, aber auch die Performances zwischen der Musik waren Klasse.  Meine ID hatte ich zu Hause, deshalb gab’s für mich eine andere Farbe um den Arm und nur Softdrinks.  Nur ja kein Risiko eingehen — ich könnte ja jünger als 21 sein :-) .

Danach und auch am nächsten morgen waren wir einkaufen und ich war im Konsumhimmel.  Schon interessant, was es hier an Lebensmitteln gibt.  Womit ich nach dem gechlorten Leitungswasser nicht mehr gerechnet hatte ist, dass die Milch tatsächlich nach Milch (und nicht nach H-Milch) schmeckt so konnte ich meine erste “Bowl of Cheerios” auch geniessen.

Samstag abend dann Dinnerinvitation bei Thomas Chef und dessen Frau.  Lecker gegrillte Pizza in gemütlichem Innenhof mit Garten, Hängematte und schönen Holzmöbeln.  Vielleicht begleiten die mich sogar heute Abend zum Lost-Finale, das hier in einem grossen Kino auf Leinwand gezeigt wird.

Jetzt ist’s Sonntag, 25°C draussen und wir ziehen mit Decke und Büchern Richtung Millenium Park entspannen.

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Erstellt am Sonntag 23. Mai 2010
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10.000 Meilen über dem Custom Support

Während ich 2h bei der Passkontrolle wartete (s.u.) war wohl das Gepäck eh noch nicht da — der “wir fliegen 20min später los wegen der Cargoklappe” wurde anscheinend zum “Sie wollten die Klappe doch zu also beschweren Sie sich nicht” Fehler.  United ist so amerikanisch wie man sein kann und entschuldigt sich in vollsten Tönen bei mir:

  On behalf of all of us here at United, I want to express my sincere apologies
  for the experience you had on Flight 941 on May 20, 2010.

  At United, we take pride in being a reliable part of your travel plans. Your
  satisfaction and business mean a great deal to me, I would like to invite you
  to visit the following website to select a token of our appreciation.

  [...]

  Thank you for your time. Your satisfaction is important to us and we look forward
  to serving you better in the near future.

  Sincerely,

Dort gab’s dann wahlweise $250 Gutschein zum Fliegen in USA (braucht aber 2 Wochen zum zustellen und ist nur bis Mai 2011 und nur auf meinen Namen gültig, also nicht so hilfreich), 20% auf einen beliebigen UA-Flug bis May 2011 (da ich aber mit dem, was ich dieses Jahr an Urlaub mache bestimmt nicht Frühjahr 2011 wieder fliege ist das auch blöd) oder 10.000 Bonusmeilen.

Ich dacht’ noch “jo, 10.000 Bonusmeilen, dafür krieg ich dann ein Strandtuch und eine Sonnenbrille oder so”, aber nein, für je 2000 Meilen bekommt man auch 4x$25 Restaurantgutscheine.  Wenn die jetzt schnell genug da sind heisst das, $500 Wert an Essensgutscheinen in Amerika.  Da hab’ ich doch gerne nicht auf mein Gepäck gewartet weil ich eh in der Schlange bei der Passkontrolle festhing ;-) .

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Erstellt am Freitag 21. Mai 2010
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Sir! This line! Sir!

Angekommen bin ich.  20min zu spät, da wir diese Zeit wegen einer nicht schliessenden Cargohold (das wiegt einen direkt in Sicherheit) auch später losflogen.  Rausgeholt haben wir’s nicht, somit sind wr 15h statt 14h41 angekommen (oder 22h Deutsche Zeit).

Flug war toll — meinen Ticketpreis werde ich in Diet Coke getrunken haben, die’s umsonst gab und mit “Leap Year” habe ich eine schöne, unauffällige und vorhersehbare RomCom gesehen (die in Irland spielt während ich über Irland flog).  Das passende Programm zum Flugort war überhaupt dabei:  Als vom iPod gerade geshuffelt der Titanticsoundtrack lief, flog ich über das Packeis vor Grönland (siehe Bild, schöner beschnittene kommen noch).

Wir landeten und noch vor dem Gepäck gab’s einen grossen Raum mit vielen Leuten.  Als ich gerade dabei war, zu verstehen, welche der vielen Schlangen den meine ist (wohl offensichtlich nicht die mit den 400 Leuten die so genervt kucken), hiess mich ein frisch der Vorurteils-Schublade entsprungender Sicherheitsbeamte freundlich im Land willkommen mit dem Titelgebenden, harschen “Sir! This line! Sir!” und kam wild gestikulierend auf mich zu.  Amerika.  Land of the Free.  Der Vorurteil, die Deutschen hätten das Schlangestehen erfunden ist definitiv falsch.  Von “ich verlasse das Flugzeug” zu “What are you doing in America, Martin” bei der Passkontrolle vergingen 2 komplette Stunden Schlangestehen (die sich durchaus regelmäßig vorwärtsbewegte, aber mit einer Masse an Leuten, die alle ihre Finger gescannt, Fotos genommen haben und Fragen gestellt bekommen mussten).  Die Organisation war schon super, für den reinen Aufwand an jedem ging’s widerum sehr schnell und effizient.  Das half Kathi und Thomas, die 100m aber hinter Sichtschutz warteten und nicht wussten, wie der Betrieb da drin war nicht. Riesige Schilder, die die Mobiltelefonnutzung verboten hielten mich auch davon ab es zu probieren — der Herr neben mir in der Schlange hat auch ein “Sir! Turn that off, Sir!  Now, Sir!” abbekommen für den Versuch.

Die Kontrolle selber war an Höflichkeit und Effizienz auch kaum zu überbieten — sehr professionell, trotzdem nett gestellte Fragen und so haben von dem Ansturm an Leuten scheinbar völlig unbeindruckte Beamte  mich auf amerikanischen Boden gelassen.

Nach der Passkontrolle war alles superschnell — sie haben offensichtlich auch einen Link zwischen Customs & Border Protection und der Gepäckausgabe, da meine Koffer überhaupt erst auf das Karussel kamen, als ich durch war und die Horrorvision, das die Koffer jetzt herrenlos 2 Stunden Runden fahren erfüllte sich nicht. Koffer geschnappt, einer desinteressierten Frau am Ausgang meine weisse Customs Declaration in die Hand gedrückt und da standen schon Kathi und Thomas hinter den Schlangen und fuhren mich mit Carsharing-Hybrid nach Hause.

Schultzens Zuhause, das ich die nächsten 2 Wochen mitbenutze fotografiere ich jetzt nicht mit meinem ganzen Krams drin sondern weise lieber auf deren schöne Fotoserie zum Einzug hin wo unter anderem auch der geile Ausblick dokumentiert ist, den ich hier beim Schreiben geniesse (auch wenn’s jetzt neblig ist und man hinter den Hochhäusern den See nicht mehr sieht).

Zum Internet-per-iPhone-”I’m very sorry for that miscommunication with one of our representatives”-AT&T-Debakel dann später mehr.  Jetzt ist’s hier erstmal 8h morgens, ich seit ‘ner Stunde wach und ich dusch wohl mal bevor die Gastgeber aufstehen :-) .

Posted from Chicago, Illinois, United States.

Erstellt am Freitag 21. Mai 2010
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