Kino hier ist anders. Ich war in einem der größten Innenstadtmultiplexe in Chicago mit zwei Dutzend Sälen von denen aber viele auch relativ klein sind (etwa wie der UT2 nur stärker geschrägt). Das Foyer lässt sich am besten mit “bombastisch” umschreiben — 2 Stockwerke hoch, überall Filmplakate an den Wänden und eine Menschenmenge-Leite-Vorrichtung aus Absperrbändern die ungute Erinnerungen an die 2h nach der Landung hervorrief. Dahinter 10 Kassenhäuschen, von denen aber nur eins besetzt war (es war aber auch mittags um 2 als ich dort ankam). Vor mir war nur eine Familie, die waren aber am heftigen diskutieren, ob oder nicht irgendwelche Coupons gelten (auch das ist ein häufiges Phänomen hier), und ich 5 Minuten vor der Vorstellung und musste noch aufs Klo. Eine Kundin nach mir hatte ein ähnliches Problem (also das mit dem Klo weiss ich nicht, aber sie schien es auch eilig zu haben) und zog an den Kassenhäuschen vorbei zu eine Reihe von Automaten. Die hatte ich vorher für ATMs gehalten (Automatic Telling Machines, die hiesige Geldautomaten, die häufig innerhalb von Geschäften und auch Kneipen stehen wo keine Kreditkarten akzeptiert werden). Bei näherem Hinsehen erwiesen die Automaten sich als automatische Ticketverkäufer die — passend zu meinem Lob über die Bedienerfreundlichkeit dieses Landes — einfach, schnell und selbsterklärend waren. In weniger als einer Minute hatte ich ein Ticket für meine Vorstellung gewählt, Kreditkarte durchgezogen, auf dem Bildschirm unterschrieben, gedrucktes Ticket rausgezogen und war bei dem Ticketkontrolleur.
Danach ging’s zwei lange Rolltreppen hoch und eine riesige Popcorn / Nachos / Hot Dogs / Pizza / Getränke / Eis Theke empfing mich. Ich war glücklicherweise knapp dran und gesättigt. Also Saal suchen (sehr einfach, da überall die aktuelle oder nächste Vorstellung samt Zeit dransteht), Platz wählen (Platzkarten ist wohl eher ein deutsches Konzept) und fallenlassen. Werbung (im Sinne von Produktwerbung) gibt es hier nur bis zur aufgedruckten Zeit, dann gibt’s zwar noch 20 Minuten Trailer, aber die sind pro Film anders (ich habe bei insgesamt vier Filmen, also 80min Trailern, nur 3 Stück doppelt und einen dreimal gesehen).
Richtig dunkel wird’s nicht — die “EXIT”-Schilder sind heller als in Deutschland und auch die Stufen-Beleuchtung bleibt an. Sicherheit ist ja wichtig, aber dunkler wär schon schöner gewsen.
In dem Moment, wo die Schlusszene anfängt gehen die ersten, alle andern dann beim ersten Wort des Abspanns. Die Saubermachcrew kommt dann noch dreimal während des Abspanns rein und kuckt mich irritiert an, wartet aber tatsächlich mit dem Säubern bis ich gegangen bin (im Falle von Iron Man 2 lohnte es sich sogar noch wegen einer Extraszene nach dem Abspann).
Nach dem Film fiel mir auf, dass die Reinigungscrews mit sich selbst beschäftig sind und der Kontrolleur zwei Stockwerke tiefer ausser Sichtweite ist und praktischerweise an jedem Kino dransteht, was dort wann läuft und bin noch in einen zweiten Film. Das habe ich dann beim nächsten Besuch gleich ausgenutzt und die Filme sogar passend ausgesucht. So lassen sich die Ticketpreise ($12 pro Vorstellung) auch bezahlen. Mindestens eine Vierergruppe Studenten hat das auf jeden Fall ähnlich gesehen und sass mit mir in Iron Man 2 und in Robin Hood und dass die vorher unten je 2 Tickets gelöst haben kann ich mir nicht vorstellen.
Nun zu den 4 Kurzkritiken meiner beiden Double Feature Kinobesuche
Iron Man 2
Solide Comicverfilmung. Action (teilweise auch echt übertrieben blutige), aber auch Handlung, Robert Downey Jr. in einer Paraderolle, Mickey Rourke leider etwas blass, was aber auch an dem sehr eindimensionalen Charakter liegen kann. Endlich die schon nach dem Abspann des Einsers angedeutete Nebenhandlung mit Nick Fury und S.H.I.E.L.D.. Gute Gags, rasanter Schnitt, alles dabei (nur Popcorn hatte ich keins)
Robin Hood
Ridley Scott + Russel Crowe + Hans Zimmer (na gut, nicht Hans Zimmer selbst, sondern “nur” jemand, der bei ihm gelernt hat, aber das hört man auch deutlich). Kann ja nichts mehr schief gehen. Tut’s auch nicht. Ich würde den Film zwar eher Brave-hood nennen, weil er doch sehr an das Schottenepos erinnert, aber das tut dem Spaß ja keinen Abbruch. Dunkler und ernster ist dieses Prequel der Figur und die Merry Men sind noch nicht ganz so merry. Insgesamt fand ich ihn sehr gelungen, und das Gegenargument dass die Schlachten zu unnötig brutal werden kann ich nicht ganz nachvollziehen (ich war aber auch direkt vorher in Iron Man 2 und vielleicht etwas abgestumpft)
Shrek 3D Forever After
Den Dreier hatte ich nicht gesehen, 1 und 2 nur einmal vor Ewigkeiten, deshalb hat mich der Kritikpunkt, dass das ja nur ein Abklatsch wäre nicht gestört. 3D hätte man sich sparen können, ein paar der Lieder auch, aber insgesamt nette Familienunterhaltung (das haben sie leider auch getan, die Familien hinter mir — sich unterhalten).
Prince of Persia
Ich habe die Filme meiner beiden Double Features wohl richtig gemischtund hatte beim ersten Mal cool und dann noch cooler und beim zweiten Mal so mittel und dann noch so mitteler. Prince of Persia ist ein nettes CGI-Spektakel, das ich auch getrost synchronisiert hätte sehen können. Action ist toll, ob ich Gyllenhall oder die gerenderten persichen Städte die schönere Augenweide fand muss ich noch überlegen, aber gesehen haben muss man den Film echt nicht.
An dem zweiten Tag besser gefallen haben mir die Trailer: Toy Story 3 und Tron 2 auf grosser Leinwand unsynchronisiert haben mich mehr mitgerissen als der Prinz.
Home Alone
Nach den beiden Multiplexdienstagen waren wir dann noch gestern (Donnerstag) Abends bei DOC-Films, einem Unikino mit richtigem Kinosaal (zwar mehr so altes Scala von den Sitzen und der Leinwand, aber besser als Audimax). Für $5 gab’s da ein Doublefeature mit völlig zur Temperatur passenden Filmen: Home Alone 1 & 2 (“Kevin Allein zu Haus” und “Kevin Allein in New York”), die ich aber beide noch nie auf englisch gesehen hatte und vor allem noch nie auf großer Leinwand. Sehr schön war’s und die Filme altern fast nicht (auch wenn die Geschichte mit Handys wohl nicht funktionieren würde und auch die Sicherheitskontrollen am Flughafen würden solche Fehler heute nicht mehr machen). Ein Raunen ging durch’s Publikum, als Kevin im zweiten Teil auf einem der beiden Twin Towers steht und die Kamera zurückfährt und beide zeigt. Irritierend war nur, nach dem Film in ein immer noch verhältnismäßig warmes Chicago rauszugehen. Ich habe auf dem Nachhauseweg zwar meine Strümpfe vermisst, aber um 11pm darf man das auch. Hofentlich ist’s in Cape Cod ein wenig Meerbrisiger und nicht diese schwüle, drückende Hitze, die wir in der letzten Woche hier hatten (und während der ich im Anzugshemd in der einzigen unklimatisierten Halle der Uni 1h10 Brahmsrequiem im Stehen singen durfte, aber dazu späater mehr).
Mehr Kino gibt’s vielleicht nächste Woche — in die IMAX Vorstellung des Museums of Science and Industry hab’ ich’s nicht mehr geschafft und morgen geht’s erstmal nach Boston. Artikel zu den Kunstmuseen, der echten Chicago Deep Dish Stuffed Pizza, zu einem Abend im Green Mill Jazz Club mit echt blindem Hammondorgelspieler und zu den Auftritten mit dem Unichor gibt’s dann wenn ich irgendwo in Providence, Plymouth, oder Provincetown WiFi habe, spätestens ab Sonntag, wenn ich bei Dave & Jim bin, wo ich gerade ein Zimmer ohne Hunde gebucht habe (wer zwei Huskys hält ist auch nett zu den Gästen
).
Posted from Chicago, Illinois, United States.