Pilgerfahrt zum Whale Watching

Ein wunderschön sonniger Tag in P-Town lud ein, das hiesige Standardtagesprogramm zu absolvieren mit Geschichtsunterricht auf dem Granitturm und Biologie in der Bucht.  Das Standardnachtprogramm hätte es gestern gegeben, wenn ich 10 Jahre jünger oder nicht schon seit 2 Wochen unterwegs wäre. Die Augenringe der anderen Gäste beim Frühstück liessen auf schöne Clubnächte schliessen, aber danach stand’s mir gestern nicht.  Heute ausgeruhter ging’s zum Frühsport auf die größte freistehende, nur aus Granit erbaute Struktur Amerikas: Das Pilgrims Monument, das Anfang letzten Jahrhunderts hier errichtet wurde um an die Ankunft der Pilger zu erinnern, die 1620 zuerst hier in der Bucht landeten bevor sie weiter nach Plymouth segelten.  Der Turm hat 77 Meter und keinen Aufzug.  Wenigstens gab’s einen Aufkleber wenn man’s geschafft hat, wobei der Ausblick von dort die eigentliche Entlohnung ist.  Die beiden linken Bilder sind vom Turm aus gemacht, das dritte ist vom Whale Watching Schiff aus der Turm aus der Ferne.  Links der Blick über das Eastend von P-Town, in der Mitte die Werft, wo u.a. auch das Boot für die Tour anlegte.

Bevor ich vom Whalewatching schreibe noch ein kurzer Einschub zu den Pilgern:  Die waren keineswegs die ersten europäischen Siedler in Amerika, aber die erste Kolonie in Neuengland, die, verfolgt von der britischen Kirche, hierherkamen um in Ruhe ihre Religion leben zu können. Vieles, was man als den “amerikanischen Spirit” bezeichnet und was sich in Freiheitsdenken und der späteren Abkoppelung von der Krone äussert wird auf eben diese wenigen Familien zurückgeführt, die 1620-1623 mit vier Schiffen in Plymouth landeten.

Von den vier Schiffen ist die Mayflower das bekannteste.  Diese wurde 1957 (soweit möglich) originalgetreu nachgebaut und fuhr von England nach Plymouth mit einem Tag Zwischenstop in Provinctown.  Seitdem liegt sie in Plymouth am Hafen und kann besichtigt werden.  Ein paar Mitarbeiter in Kostüm sind auf dem Schiff, geben die Originalpilgerer und lassen sich in breitestem British English über die Krone und den Papst aus, erzählen von der anstrengenden Überfahrt und erklären, wie die einzelnen Teile des Schiffes funktionieren.  Die “Blöcke”, also die Flaschenzüge mit denen die verschiedenen Segel und Masten bewegt werden können sehen aus wie auf meinen Segeltrips in Holland — aber schliesslich wurde die Mayflower ja auch ursprünglich dort gebaut.  Nach dem (übrigens sehr kleinen) Schiff ging’s dann weiter zur “Plimouth Foundation” (kein Schreibfehler, das Y kam erst später).  Dort sind ca. 20 Reetgedeckte Häuser aufgebaut, in einer Form wie man sich heute die erste Siedlung der Pilgerer um 1625 vorstellt. Hühner liefen rum, Zwiebeln wurden von Darstellern in originalgetreuer Kleidung gepflegt und geerntet — kleine Zicklein und sogar zwei Kühe gab es.  Die Darsteller waren sehr informativ und das ganze gab ein schönes Bild ab, wie wohl das Leben damals war.  Auch ein paar Hütten eines Indianerdorfes in der Nähe sind aufgebaut mit Stammesangehörigen der Indianer die Riten und Werkzeuge von damals erklären.  Interessant war, dass in der ersten Siedlung alles friedlich anfing und solange der Häuptling, der die ersten Siedler empfing und der Anführer der Siedlerkolonie beide lebten auch nie Verletzungen des Friedenspaktes vorkamen.  Die Indianer halfen den ersten Siedlern beim Anpflanzen der hiesigen Gemüse und brachten so Mais, Kürbis und Bohnen in die amerikanische Küche.  Von der Mayflower II habe ich leider nur Bilder von der Haupttakelage und vom Beiboot aber immerhin ein schönes vom oberen Eingang der Siedlung ist dabei:

Nach dem ganzen Geschichtsunterricht (Bei Mayflower, Siedlung und Monument war jeweils ein Museum dabei und ein weiteres Pilgermuseum hatte ich noch in Plymouth besucht) ging’s dann heute zum Whale Watching.

Ich dachte mir, “muss man halt mitmachen, wenn man hier ist” und erwartete, drei Stunden durch die Sonne zu kuttern und ein paar Schwarze Punkte am Horizont gezeigt zu bekommen, die dann die Wale sein solltn.  Gut, dass ich mich irrte.  Insgesamt 11 Buckelwale haben wir gesehen, alle 20-30m vom Boot weg.  Eine Gruppe mit drei ausgewachsenen Tieren und einem jungen Kalb ist sogar unter dem Boot durchgetaucht und das Kalb hat sich einen Meter neben dem Schiff auf den Rücken gedreht.  In dem Moment war ich auch zu beeindruckt, um die Kamera schnell genug zu zücken.  Die Tiere sind größer und schöner, als man das auf Fotos und Videos zeigen kann und wirklich sehr majestätisch von Nahem.

Eine witzige Geschäftsidee hat ein Filmemacher gehabt und begleitet jeden Tag ein paar Touren (so auch unsere) mit professionellem Kameraequipment und filmt vom Dach des Schiffes aus alles, was wir auch sehen.  Während dem Trip kann man ihm dann Adresse und Geld geben und bekommt (so meine Hoffnung) in ein paar Wochen eine DVD zugesandt, mit genau der Tour auf der man mit war, gepaart mit ein paar Einführungsvideos zu der ganzen Sache.  Ich bin gespannt, und habe dann auf dem Weg vielleicht doch ein paar schöne Aufnahmen von den Exemplaren die so nah kamen.

Hier ein paar Bildausschnitte von dem Tag:



Posted from Provincetown, Massachusetts, United States.

Ein Kommentar zu “Pilgerfahrt zum Whale Watching”

  1. :-) Sandra sagt:

    Boah, dann muss ich Whale Watching wohl auch auf meine Must-Do-Liste setzen :-) Danke für den Bericht!

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