’s Haus verliert nix

…und die Reinigung erst recht nicht.  Auf der Suche nach meinen weissen Hemden für einen Unichorauftritt am Sonntag scheiterte ich zu Hause.  Abgesehen davon, dass ich bei diesen Temperaturen eh’ keine Lust habe, in vollem Anzug mit Hemd und Schlips rumzulaufen würde mich noch mehr ärgern, meine weissen Hemden irgendwo verschlampt zu haben.  Nach einigem Suchen erinnerte ich mich dunkel, die nach der letzten Konzertphase mit dem Unichor zur Reinigung gebracht zu haben (was auch nötig war). Nur, wo war der Zettel?

Da das Konzert am Sonntag ist und es zur Zeit dieser Erkenntnis schon Mittwoch war, bin ich abends einfach auf gut Glück in die Reinigung, erzählte meine Geschichte und fand mich mit den beiden hilfsbereiten Mitarbeiterinnen vor zweimal vier Meter Kleiderstange wo alle nicht abgeholten Hemden der letzten 12 Monate hängen (ausser den “neuen”, die auf dem Karussel gefahren werden). Einiges Suchen später (da waren Hemden von letztem Sommer dabei, aber nix in meiner Grösse ;-) ) hatten wir tatsächlich meine Hemden in der Hand und nach Name und Telefonnummer (die ich einfach hinschrieb ohne dass die irgendwas von mir sehen wollten) war ich mit 3 frisch (naja) gewaschenen Hemden unterwegs nach Hause.

Ich muss mir tatsächlich in Zukunft aufschreiben, wenn ich in der Reinigung war, da ich bei Dingen, die ich nicht regelmässig brauche (wie eben weissen Anzugshemden) nur an dem Abholbon im Geldbeutel merke, dass ich was bei der Reinigung habe und den scheine ich wohl irgendwann aus Versehen mit alten Kassenzetteln entsorgt zu haben.

Update: Hmpf. “Speichern” ist nicht gleich “Publizieren”.  Ich bin von dem Blogsystem überfordert und der Artikel eigentlich älter.

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Erstellt am Montag 5. Juli 2010
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Wir sind hier in Deutschland

Nein, um die WM geht’s nicht, sonst hätte ich das neue Kürzel “Schlaaand” verwendet (TLD .schlaaaaa).  Auch zu Westerwelle muss man eigentlich nichts mehr schreiben.  Worum geht’s dann?  Steve Jobs erlaubt uns Jüngern jetzt auch Bücher auf die iPhones, iPods und iPads zu laden mit der neuen iBooks iApp -äh- Applikation.

So weit, so gut.  Das Apple nicht lange andere Leute in ihrem Revier Geld verdienen lässt war klar, und die Einführung einer von Jobs selber gesegneten eBook-Applikation war absehbar. Auch die Applikation selber ist (wie nicht anders erwartet) schön, leicht zu bedienen, sieht gut aus, etc.  Nur warum sie jetzt wieder die Zielmärkte abgrenzen müssen ist mir schleierhaft.

Eine kurze Stichprobe beim SciFi-Autor John Scalzi ergab: 10 Bücher von ihm im Store, 9 auf deutsch, davon nur eins auch auf englisch, nämlich der zweite Band einer Reihe.  Den ersten kriegt man nur auf deutsch.  Deutsche Bücher 7.99EUR, englische 8,99EUR.  Warum? Das gleiche Buch kostet auf Amazon (wohlgemerkt amazon.de) 5,99 bzw. 8,95, hier ist aber das deutsche das teurere… “Lizenzrechtliche Gründe” heisst dann die Argumentationskeule.

Wenn ein Markt wirklich abgeriegelt ist, wie bei Regioncoding für DVDs oder Konsolenspiele, bzw. wenn es keine offiziellen Wege gibt, diese Märkte zu vermischen kann ich’s auch schon nicht verstehen aber wenigstens nachvollziehen.  Aber bei Büchern?  Vor 15 Jahren musste ich mir meine englischen Pratchetts noch im Comicladen holen, weil selbst Bock & Seipp nur auf teure Vorbestellungen liefern konnte, aber mittlerweile ist gerade im Science Fiction & Fantasy Bereich doch jeder deutsche Buchladen mit seinem Markt gewachsen und bietet entsprechende Literatur am Erscheinungstag zu fairen (und meist eher billigeren) Preisen Regalweise an; von Amazon will man gar nicht anfangen. Muss das jetzt bei iBook wieder ganz von vorne losgehen?  Globalisierung?  Freie Märkte?  Irgendwie schafft meine Apple-Gehirnwäsche gerade nicht, das auch noch mit “aber dafür ist’s ein iPhone” wieder gut zu reden…

Lösung gibt’s natürlich, wenn auch eher in einer legalen Grauzone:  Man kann sich einen amerikanischen iTunes-Account mit fiktiver Adresse (oder einer Adresse von Bekannten dort) machen und sich dann amerikanische iTunes-Geschenkkarten bei eBay oder von Bekannten kaufen lassen und einlösen.  Abgesehen von den legalen Gesichtspunkten ist mir das dann aber zu viel Stress um für 3 EUR mehr ein Buch im Handy zu lesen, dass ich mir auch einfach als reales Taschenbuch aus toten Bäumen kaufen kann.

Wir sind hier in Deutschland.  Leider noch nicht in der Zukunft.

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Erstellt am Mittwoch 23. Juni 2010
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Shiiiiii-owgirls

Da ich 2h zu früh am Flughafen bin (und mein Gepäck mit 22,0 und 21,5 kg bei erlaubten 2×23kg zwar ein Grinsen auf dem Gesicht des Sicherheitsbeamten hinterliess aber jetzt ohne mich weiter klarkommt) bleibt mir hier im Sicherheitsbereich ausser Starbucks und Duty Free (was aber nicht wirklich viel billiger ist dank Dollarkurs) nichts übrig als weiter zu bloggen — freies WiFi gibt’s nämlich!

Über einen Abend in Provincetown hatte ich noch nichts geschrieben, und alle Details davon kann ich auch nicht schreiben, nach dem heute der JMStV durch ist und ich immer verwirrt bin, ob’s bei Euch jetzt schon nach 23h ist ;-) .

Ich beschloss, da ich für Disco und Clubbing einfach nicht in der Stimmung (lies: zu alt und müde von 2,5 Wochen Urlaub) war, den Abend in Provincetown nach einem sehr schönen Whale Watching Trip mit einer Institution des dortigen Nachtlebens zu verbringen:  Einer Dragrevue im Crown & Anchor namens “Ryan Landry’s Showgirls” die dort jeden Montag stattfindet. Mit ein paar Startnummern der Gastgeberin moderierten gleich zwei Drag Queens einen Abend wo lokale Künstler gesungene oder nur getanzte oder anders musizierte Nummern ablieferten und das Publikum am Schluss abstimmte, wer der beste Act war und dafür dann $500 bekam.

Das Publikum war in guter Laune, die Leute auf der Bühne auch und neben einem Mädel, das Hoola-Reifen tanzte und einer Frau, die (sehr virtuos) Blockflöte mit der Nase spielte waren alles Männer in Frauenkleidern oder zwischenzeitlich auch ganz ohne Kleider.  Richtig jugendfrei waren keine 10 zusammenhängenden Minuten der Show und ich were gerade rot beim überlegen, was davon ich hier schreiben kann.  Erinnerte mich von der Atmosphäre her an die Liveübertragungen vom Hanburger Schmidt Theater unter Corny Littmann nur -äh- etwas willenloser.

Der Host meinte auch irgendwann, “for those of you, who expected a professional performance:  We got your $12.99, F**k you! For all others: Welcome to the inofficial town meeting of Provincetown”, gab also zu, dass sie das alles mehr oder weniger für ihren eigenen Spass machen.  Die Acts rangierten von sehr gut bis seltsam bis peinlich, aber die Stimmung war klasse und man merkte, dass neben mir vielleicht noch eine Handvoll Touristen da waren, und die Show so früh im Juni eher die ständigen Bewohner P-Towns anzog, von denen viele offenbar auch gerade erst aus den Winterdomizilen in Florida wieder angereist waren um die Saison zu beginnen. Nahezu jeder Act wurde angekündigt mit etwas in der Richtung von “Tagsüber Besitzer von 2 Frisörsalons, heute Abend als Celine Dion,…”, und ich bin auch sicher, dass mir einer der Queens tagsüber noch einen Kaffee verkauft hatte.

Das familiäre war mit das schönste — viele im Publikum haben selber Geschäfte oder Hotels in der Stadt, einer Zwischenmoderation ernte auch tosenden Applaus, wo man den Sieg über die “Yuppies” erklärte, die dachten, mit ihren Villen den bunten Mix an der Spitze des Capes dominieren zu können, aber angesichts der Finanzkrise jetzt alle wieder verschwanden. Den Juni, den Obama zum Gaypride-Monat erklärt hat, habe ich hier in der richtigen Stadt begonnen.

Falls also einer der Leser reich, single und bereit für’s Auswandern ist, ich käm dann für die Sommer mit nach P-Town und würd sogar Montagsabends singen gehen, wobei die $500 bei der Konkurrenz hartverdientes Geld sind.

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Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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Boston Beans, das Segeln und die Kunst

Um den touristischen, zweiten Teil der Reise auch richtig touristisch abzuschliessen, wurde Boston ausschliesslich touristisch erkundet — für alles andere bin ich auch langsam zu kaputt; 3 Wochen Urlaub strengen mehr an als ich dachte.

…in Boston even Beans do it.

Also zählt hier die Bequemlichkeit.  Mietauto im Hotel vom Valetservive parken lassen während man mir die Koffer auf’s Zimmer gebracht hat.  Kurze Dusche, Auto zurückbringen zum Flughafen, 7-Tages-Ticket für die Bahn gekauft (billiger als zwei 1-Tages-Tickets und danach einfach kein Stress mehr) und ab zu den Trolley-Tours.  Da ich echt keinen Bock mehr auf Rumgehen hatte, hab’ ich mich mit einem älteren spanischen Ehepaar, einer amerikanischen Familie und 2 Japanern in einem roten, offenen kleinen Bus durch die Stadt karren lassen während vorne einer mit Mikro erzählt hat, was wir da so alles sehen.  Er erwähnte sogar, dass die “Boston Beans” daher kommen, dass die frühen Puritaner Sonntags nicht arbeiten und somit auch nicht kochen durften und es deshalb Samstags immer große Portionen Baked Beans gab, die man dann Sonntag kalt essen konnte.  Mahlzeit.

Die Tour war ganz witzig, und den Freedom Trail Walk hab’ ich mir danach auch gespart, da 5km in der Sonne durch die Stadt laufen irgendwie nicht mehr so attraktiv klangen wie im Reiseführer.  Stattdessen mit der U-Bahn ein paar Punkte in der Stadt angekuckt und früh ins Bett.

Der zweite Tag Boston begann mit dem Science Museum (wobei ich das in Chicago deutlich besser fand, aber da das hier in einem Kombipass mit drin war und 100m von meinem Hotel weg ist…). Dort zum ersten Mal seit ungefähr 25 Jahren einen Film in einem Omnimax gesehen (das letzte Mal war in Den Haag als mein Onkel und meine Tante da noch wohnten).  Irgendwie beeindruckender als 3D, finde ich.

Nach dem Science Museum dann ins New England Aquarium Pinguine, Haie, Robben, Quallen, und Horden von Schulkindern gesehen.  Die Schulen scheinen heute alle Wandertag zu haben — im Museum waren ungefähr 200-300 Kinder aus der 5. Klasse (wie man ihren farbigen T-Shirts entnehmen konnte) und im Aquarium auch (sogar andere, oder die haben sich alle in der Zwischenzeit umgezogen). Das Aquarium war ganz nett, aber irgendwie setzt langsam eine Reizüberflutung ein :-) .

We are Sailing…

Nach dem Aquarium das eigentliche Highlight:  Segeln in der Hafenbucht mit einem zwar erst 25 Jahre alten, aber nach Plänen traditioneller Schoner gebauten Zweimaster.  Die Gruppe war klein, das Schiff toll und die zwei Stunden auf See sein waren es auf jeden Fall wert.  Auf den Bildern die Skyline Bostons von weit, mittel und nah — samt Teilen des Vordeck des Schiffes mit drauf.

Nach dem Schiff ging’s zum Kunstmuseum, das blöderweise heute freien Eintritt hatte — blöderweise, da es nicht im Netz stand (wo ich extra gekuckt hatte, weil die Chicagoer Museen fast alle einen freien Tag oder Abend haben) und der Kombipass mit Science Museum und Aquarium eigentlich nur den Zweck hatte, billiger ins Museum of Fine Arts zu kommen, das dann mein Ticket gar nicht wollte…  Verschenke ich’s halt morgen nebst noch 5 Tage gültiger ÖPNV-Karte an irgendwen am Flughafen.

Bilder einer Ausstellung

Das Museum of Fine Arts fasste mit seinen Sammlungen thematisch gleich drei Museen in Chicago zusammen, die ich dort gesehen hatte:  Natürlich das Chicago Arts Institute, aber auch das dortige Museum für Moderne Kunst und die Sammlung des Oriental Institutes an der Chicagoer Uni.  Hier in Boston gab es neben Bildern (hauptsächlich europäische und asiatische, aber auch modernes aus Amerika) auch viele Skulpturen (römisch, griechisch, ägyptisch, italienische Renaissance) und eine sehr interesannte Wechselausstellung über ein ägyptisches Grab.  Während sonst oft Säleweise ägyptische Statuen stehen (nicht nur deswegen sehr zu empfehlen ist das Neue Museum in Berlin, in dem ein großer Saal dieser Statuen sehr schön didaktisch aufbereitet präsentiert wird), ist hier alles aus einer einzigen Ausgrabung dargestllt samt Bildern und Geschichte der Ausgrabung (1915) selbst und Rekonstruktionen der Dinge, die wegen Grabräubern eben nicht mehr dort waren.

Für Mesopotamien lohnt sich nach wie vor Berlin — im Pergamommuseum ist ein komplettes Markttor und die zugehörige Passage mit goldenen Löwen auf türkisenem Grund ausgestellt und von diesen Löwen habe ich jetzt auch je 2 in Boston und Chicago gesehen, aber eben nur 2 (immerhin ca 2×1m grosse Reliefkacheln) und nicht ca. 100 wie in Berlin. Die überlebensgroße ägyptische Königsstatue aus dem Oriental Insitute in Chicago war aber beeindruckender als alles andere Ägyptische in den anderen Städten.  Dort ist auch die Sammlung sumerischer Keilschrift, die die Entwicklung der ersten Schriftzeichen bis zu den Ägyptern zeigt hervorzuheben.  Ob Boston wirklich weniger beeindruckend war oder ich einfach weniger aufnahmefähig weiss ich nicht, aber vom Gefühl her ist beides zutreffend.  Riesig ist das Museum hier trotzdem, aber Chicago war halt noch riesiger.  Fairerweise muss man dazusagen, dass Boston gerade einen Anbau bekommen hat, der im November öffnet, in dem sie dann Amerikanische Kunst ausstellen werden, wobei zwei der wenigen Sachen, die ich von amerikanischer Kunst kenne (Hoppers Nighthawks und Grants American Gothic) neben dem omnipräsenten Warhol schon in Chicago hängen.

Mit Berlin, Chicago und Boston habe ich jetzt glaube ich erstmal eine Zeit genug von Museen und merke auch, dass man das mag, was man kennt:  Ich bleibe am längsten stehen bei den Werken der europäischen Künstler, die in meinem Elternhaus (als Drucke) hängen, und deren Stil ich deswegen erkenne, so habe ich jetzt unzählige Gemäde Monets, Picassos, Gaugins und Matisses im Original gesehen, Drucke von Dürer, Statuen von Rodin, sogar Statuen von Matisse und Holzschnitzereien von Gaugin, die ich beide vorher nur als Maler kannte.

Die mehr als 100 Bilder, die ich in den diversen Museen gemacht habe darf ich aus Copyrightgründen hier sehr wahrscheinlich sowieso nicht “ausstellen”, deshalb mache ich mir auch nicht die Mühe und suche drei raus — Kunst wirkt sowieso nur in Originalgröße.

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Erstellt am Donnerstag 10. Juni 2010
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Pilgerfahrt zum Whale Watching

Ein wunderschön sonniger Tag in P-Town lud ein, das hiesige Standardtagesprogramm zu absolvieren mit Geschichtsunterricht auf dem Granitturm und Biologie in der Bucht.  Das Standardnachtprogramm hätte es gestern gegeben, wenn ich 10 Jahre jünger oder nicht schon seit 2 Wochen unterwegs wäre. Die Augenringe der anderen Gäste beim Frühstück liessen auf schöne Clubnächte schliessen, aber danach stand’s mir gestern nicht.  Heute ausgeruhter ging’s zum Frühsport auf die größte freistehende, nur aus Granit erbaute Struktur Amerikas: Das Pilgrims Monument, das Anfang letzten Jahrhunderts hier errichtet wurde um an die Ankunft der Pilger zu erinnern, die 1620 zuerst hier in der Bucht landeten bevor sie weiter nach Plymouth segelten.  Der Turm hat 77 Meter und keinen Aufzug.  Wenigstens gab’s einen Aufkleber wenn man’s geschafft hat, wobei der Ausblick von dort die eigentliche Entlohnung ist.  Die beiden linken Bilder sind vom Turm aus gemacht, das dritte ist vom Whale Watching Schiff aus der Turm aus der Ferne.  Links der Blick über das Eastend von P-Town, in der Mitte die Werft, wo u.a. auch das Boot für die Tour anlegte.

Bevor ich vom Whalewatching schreibe noch ein kurzer Einschub zu den Pilgern:  Die waren keineswegs die ersten europäischen Siedler in Amerika, aber die erste Kolonie in Neuengland, die, verfolgt von der britischen Kirche, hierherkamen um in Ruhe ihre Religion leben zu können. Vieles, was man als den “amerikanischen Spirit” bezeichnet und was sich in Freiheitsdenken und der späteren Abkoppelung von der Krone äussert wird auf eben diese wenigen Familien zurückgeführt, die 1620-1623 mit vier Schiffen in Plymouth landeten.

Von den vier Schiffen ist die Mayflower das bekannteste.  Diese wurde 1957 (soweit möglich) originalgetreu nachgebaut und fuhr von England nach Plymouth mit einem Tag Zwischenstop in Provinctown.  Seitdem liegt sie in Plymouth am Hafen und kann besichtigt werden.  Ein paar Mitarbeiter in Kostüm sind auf dem Schiff, geben die Originalpilgerer und lassen sich in breitestem British English über die Krone und den Papst aus, erzählen von der anstrengenden Überfahrt und erklären, wie die einzelnen Teile des Schiffes funktionieren.  Die “Blöcke”, also die Flaschenzüge mit denen die verschiedenen Segel und Masten bewegt werden können sehen aus wie auf meinen Segeltrips in Holland — aber schliesslich wurde die Mayflower ja auch ursprünglich dort gebaut.  Nach dem (übrigens sehr kleinen) Schiff ging’s dann weiter zur “Plimouth Foundation” (kein Schreibfehler, das Y kam erst später).  Dort sind ca. 20 Reetgedeckte Häuser aufgebaut, in einer Form wie man sich heute die erste Siedlung der Pilgerer um 1625 vorstellt. Hühner liefen rum, Zwiebeln wurden von Darstellern in originalgetreuer Kleidung gepflegt und geerntet — kleine Zicklein und sogar zwei Kühe gab es.  Die Darsteller waren sehr informativ und das ganze gab ein schönes Bild ab, wie wohl das Leben damals war.  Auch ein paar Hütten eines Indianerdorfes in der Nähe sind aufgebaut mit Stammesangehörigen der Indianer die Riten und Werkzeuge von damals erklären.  Interessant war, dass in der ersten Siedlung alles friedlich anfing und solange der Häuptling, der die ersten Siedler empfing und der Anführer der Siedlerkolonie beide lebten auch nie Verletzungen des Friedenspaktes vorkamen.  Die Indianer halfen den ersten Siedlern beim Anpflanzen der hiesigen Gemüse und brachten so Mais, Kürbis und Bohnen in die amerikanische Küche.  Von der Mayflower II habe ich leider nur Bilder von der Haupttakelage und vom Beiboot aber immerhin ein schönes vom oberen Eingang der Siedlung ist dabei:

Nach dem ganzen Geschichtsunterricht (Bei Mayflower, Siedlung und Monument war jeweils ein Museum dabei und ein weiteres Pilgermuseum hatte ich noch in Plymouth besucht) ging’s dann heute zum Whale Watching.

Ich dachte mir, “muss man halt mitmachen, wenn man hier ist” und erwartete, drei Stunden durch die Sonne zu kuttern und ein paar Schwarze Punkte am Horizont gezeigt zu bekommen, die dann die Wale sein solltn.  Gut, dass ich mich irrte.  Insgesamt 11 Buckelwale haben wir gesehen, alle 20-30m vom Boot weg.  Eine Gruppe mit drei ausgewachsenen Tieren und einem jungen Kalb ist sogar unter dem Boot durchgetaucht und das Kalb hat sich einen Meter neben dem Schiff auf den Rücken gedreht.  In dem Moment war ich auch zu beeindruckt, um die Kamera schnell genug zu zücken.  Die Tiere sind größer und schöner, als man das auf Fotos und Videos zeigen kann und wirklich sehr majestätisch von Nahem.

Eine witzige Geschäftsidee hat ein Filmemacher gehabt und begleitet jeden Tag ein paar Touren (so auch unsere) mit professionellem Kameraequipment und filmt vom Dach des Schiffes aus alles, was wir auch sehen.  Während dem Trip kann man ihm dann Adresse und Geld geben und bekommt (so meine Hoffnung) in ein paar Wochen eine DVD zugesandt, mit genau der Tour auf der man mit war, gepaart mit ein paar Einführungsvideos zu der ganzen Sache.  Ich bin gespannt, und habe dann auf dem Weg vielleicht doch ein paar schöne Aufnahmen von den Exemplaren die so nah kamen.

Hier ein paar Bildausschnitte von dem Tag:



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Erstellt am Dienstag 8. Juni 2010
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Trotz allem Fleisch, es gab auch Fisch

Strukturierendes Element der Zeit in Chicago waren die beiden Generalproben und die beiden Auftritte von Brahms “Ein Deutsches Requiem”. Die Proben waren an den beiden heissesten Tagen, die ich hier hatte und fanden eng gestellt in einer unklimatisierten Halle unter starkem Scheinwerferlicht statt. Mich dadurch konstant selbstdehydrierend hatte ich ein wenig Mitleid mit den Sängern links und rechts von mir da das Einsingen dort mit einem “dreht Euch mal zur Seit und massiert die Schultern Eures Nachbarn” in beide Richtungen beginnt und ich mich in dem Zustand nicht hätte massieren wollen…

Von den klimatischen Details abgesehen waren es zwei schöne Proben und zwei sehr schöne Auftritte.  Anstrengend aber lohnend (so fand ich zumindest). Von der Aussprache muss ich im Vergleich zum letzten Eintrag über die Probe auch zurückrudern:  Bis auf ein paar näähmen und säählig waren die ziemlich gut für Leute, die kein Wort Deutsch können und bei der ersten Probe standen wohl ziemlich viel aus dem Motettenchor um mich, die das Stück zu der Probe selber zum ersten Mal mit allen zusammen sangen und sich bis zur zweiten Probe alle nochmal die Aussprache angekuckt haben.

Überhaupt das Brahmsrequiem mit meinen Gastgebern singen zu können war toll, da mein allererstes Oratorium, dass ich sang eben dieses war — Karfreitag 2003.  Auch Thomas kam damals neu im Unichor an und wurde von mir gleich zu Schröder mitgeschleppt, wo er dann später Katharina traf.  Das Stück dann mit den beiden zusammen nochmal singen zu können war ganz unabhängig von Chicago schon eine Fügung und um so schöner dadurch, dass es auch echt gut geklappt hat an beiden Tagen und hoffentlich eine brauchbare Aufnahme dabei herauskommt.

Der Blogtitel verbindet Auftritte und Party danach:  Wir mussten uns alle vorher in eine Liste eintragen und konnten gegen eine freiwillige Spende von $5 (die wohl ungefähr die Hälfte des Caterings getragen hat) an einem Picknick mit Getränken und Barbeque teilnehmen.  Angeblich sogar das klassische Memorial Day BBQ mit Cheeseburgern, Maiskolben und Wassermelone.  Lecker war’s auf jeden Fall.  Und der Anblick von >100 Leuten, die in feinen Anzügen auf der Wiese sitzen und von Papptellern Cheeseburger essen ohne sich Ketchup und Senf auf die weissen Hemden zu schmieren war auch schön :-) .

Richtiges BBQ gab’s für mich dann später wieder bei meiner Tante, die mir 2 Tage einen Einblick in echt Amerikanisches Leben gegeben hat.  Am ersten Tag gab’s Ribs (und keine Ripp”chen”) vom grossen Gasgrill im Garten des Holzhauses mit Barbequesauce und Kartoffelsalat und zum Frühstück Sausages, Ei und Bratkartoffeln.  Vom Fleisch falle ich hier schonmal nicht, und das, obwohl ich noch bei keinem einzigen Burger-Fastfood war (aber dafür ist ja noch die Rückfahrt vom Cape nach Boston da :-) .

Statt Fleisch gab’s heute Fisch satt.  Nach einmal auf halbem Weg umkehren und meine Jacke mit Geldbeutel und Kamera wieder bei meiner Tante abholen (150km für nix — aber das Benzin ist hier ja billig..) bin ich heute endlich in Provincetown angekommen.  Schwulenmekka an der Ostküste, teurer, kleiner Küstenort, wo sich viele Pärchen niedergelassen haben und kleine Kunstgaerien, Ledershops oder B&B’s betreiben.  Nach einem Gang am Strand während Niedrigwasser und durch die Stadt als das Wasser wieder kam bin ich allerdings so müde, dass ich hier um halb neun sitze, gegessen habe und nach den paar Zeilen für’s Blog wohl früh schlafen gehe (das Frühstück bei meiner Tante gab’s aber auch um 8 und ich bin dann mit der Geldbeutelrückholaktion heute insgesamt 6h Auto gefahren).

Zum Thema Essen:  Nachdem ich davon bisher immer nur las oder hörte hab’ ich endlich selber Clam Chowder gegessen und bin begeistert!  Muschelsud mit Muscheln, Fisch, Shrimps und Gewürzen, der mit Milch und Crackern gebunden wird.  Danach gab’s noch dort frischgemachte Hummerravioli (nach denen ich jetzt glaube ich kein künstliches Krebsfleisch mehr mag) und zum Abschluss einen Key Lime Pie — Mürbeteig mit sehr saurer Limetten-Frischkäse-Füllung.  Fast alle meiner “Kenne ich nur aus Fernsehserien” Gerichte, Orte und Geschäfte habe ich abgearbeitet, morgen geht’s noch 4h raus aufs Meer zum Whalewatching und dann weiter nach Boston wo der Freedom Trail und ein weiteres Kunstmuseum warten.

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Erstellt am Montag 7. Juni 2010
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Movie Theatre

Kino hier ist anders.  Ich war in einem der größten Innenstadtmultiplexe in Chicago mit zwei Dutzend Sälen von denen aber viele auch relativ klein sind (etwa wie der UT2 nur stärker geschrägt). Das Foyer lässt sich am besten mit “bombastisch” umschreiben — 2 Stockwerke hoch, überall Filmplakate an den Wänden und eine Menschenmenge-Leite-Vorrichtung aus Absperrbändern die ungute Erinnerungen an die 2h nach der Landung hervorrief.  Dahinter 10 Kassenhäuschen, von denen aber nur eins besetzt war (es war aber auch mittags um 2 als ich dort ankam).  Vor mir war nur eine Familie, die waren aber am heftigen diskutieren, ob oder nicht irgendwelche Coupons gelten (auch das ist ein häufiges Phänomen hier), und ich 5 Minuten vor der Vorstellung und musste noch aufs Klo.  Eine Kundin nach mir hatte ein ähnliches Problem (also das mit dem Klo weiss ich nicht, aber sie schien es auch eilig zu haben) und zog an den Kassenhäuschen vorbei zu eine Reihe von Automaten.  Die hatte ich vorher für ATMs gehalten (Automatic Telling Machines, die hiesige Geldautomaten, die häufig innerhalb von Geschäften und auch Kneipen stehen wo keine Kreditkarten akzeptiert werden).  Bei näherem Hinsehen erwiesen die Automaten sich als automatische Ticketverkäufer die — passend zu meinem Lob über die Bedienerfreundlichkeit dieses Landes — einfach, schnell und selbsterklärend waren.  In weniger als einer Minute hatte ich ein Ticket für meine Vorstellung gewählt, Kreditkarte durchgezogen, auf dem Bildschirm unterschrieben, gedrucktes Ticket rausgezogen und war bei dem Ticketkontrolleur.

Danach ging’s zwei lange Rolltreppen hoch und eine riesige Popcorn / Nachos / Hot Dogs / Pizza / Getränke / Eis Theke empfing mich.  Ich war glücklicherweise knapp dran und gesättigt.  Also Saal suchen (sehr einfach, da überall die aktuelle oder nächste Vorstellung samt Zeit dransteht), Platz wählen (Platzkarten ist wohl eher ein deutsches Konzept) und fallenlassen.  Werbung (im Sinne von Produktwerbung) gibt es hier nur bis zur aufgedruckten Zeit, dann gibt’s zwar noch 20 Minuten Trailer, aber die sind pro Film anders (ich habe bei insgesamt vier Filmen, also 80min Trailern, nur 3 Stück doppelt und einen dreimal gesehen).

Richtig dunkel wird’s nicht — die “EXIT”-Schilder sind heller als in Deutschland und auch die Stufen-Beleuchtung bleibt an.  Sicherheit ist ja wichtig, aber dunkler wär schon schöner gewsen.

In dem Moment, wo die Schlusszene anfängt gehen die ersten, alle andern dann beim ersten Wort des Abspanns.  Die Saubermachcrew kommt dann noch dreimal während des Abspanns rein und kuckt mich irritiert an, wartet aber tatsächlich mit dem Säubern bis ich gegangen bin (im Falle von Iron Man 2 lohnte es sich sogar noch wegen einer Extraszene nach dem Abspann).
Nach dem Film fiel mir auf, dass die Reinigungscrews mit sich selbst beschäftig sind und der Kontrolleur zwei Stockwerke tiefer ausser Sichtweite ist und praktischerweise an jedem Kino dransteht, was dort wann läuft und bin noch in einen zweiten Film.  Das habe ich dann beim nächsten Besuch gleich ausgenutzt und die Filme sogar passend ausgesucht.  So lassen sich die Ticketpreise ($12 pro Vorstellung) auch bezahlen.  Mindestens eine Vierergruppe Studenten hat das auf jeden Fall ähnlich gesehen und sass mit mir in Iron Man 2 und in Robin Hood und dass die vorher unten je 2 Tickets gelöst haben kann ich mir nicht vorstellen.

Nun zu den 4 Kurzkritiken meiner beiden Double Feature Kinobesuche

Iron Man 2

Solide Comicverfilmung.  Action (teilweise auch echt übertrieben blutige), aber auch Handlung, Robert Downey Jr. in einer Paraderolle, Mickey Rourke leider etwas blass, was aber auch an dem sehr eindimensionalen Charakter liegen kann.  Endlich die schon nach dem Abspann des Einsers angedeutete Nebenhandlung mit Nick Fury und S.H.I.E.L.D..  Gute Gags, rasanter Schnitt, alles dabei (nur Popcorn hatte ich keins)

Robin Hood

Ridley Scott + Russel Crowe + Hans Zimmer (na gut, nicht Hans Zimmer selbst, sondern “nur” jemand, der bei ihm gelernt hat, aber das hört man auch deutlich).  Kann ja nichts mehr schief gehen.  Tut’s auch nicht.  Ich würde den Film zwar eher Brave-hood nennen, weil er doch sehr an das Schottenepos erinnert, aber das tut dem Spaß ja keinen Abbruch.  Dunkler und ernster ist dieses Prequel der Figur und die Merry Men sind noch nicht ganz so merry.  Insgesamt fand ich ihn sehr gelungen, und das Gegenargument dass die Schlachten zu unnötig brutal werden kann ich nicht ganz nachvollziehen (ich war aber auch direkt vorher in Iron Man 2 und vielleicht etwas abgestumpft)

Shrek 3D Forever After

Den Dreier hatte ich nicht gesehen, 1 und 2 nur einmal vor Ewigkeiten, deshalb hat mich der Kritikpunkt, dass das ja nur ein Abklatsch wäre nicht gestört.  3D hätte man sich sparen können, ein paar der Lieder auch, aber insgesamt nette Familienunterhaltung (das haben sie leider auch getan, die Familien hinter mir — sich unterhalten).

Prince of Persia

Ich habe die Filme meiner beiden Double Features wohl richtig gemischtund hatte beim ersten Mal cool und dann noch cooler und beim zweiten Mal so mittel und dann noch so mitteler.  Prince of Persia ist ein nettes CGI-Spektakel, das ich auch getrost synchronisiert hätte sehen können.  Action ist toll, ob ich Gyllenhall oder die gerenderten persichen Städte die schönere Augenweide fand muss ich noch überlegen, aber gesehen haben muss man den Film echt nicht.

An dem zweiten Tag besser gefallen haben mir die Trailer:  Toy Story 3 und Tron 2 auf grosser Leinwand unsynchronisiert haben mich mehr mitgerissen als der Prinz.

Home Alone

Nach den beiden Multiplexdienstagen waren wir dann noch gestern (Donnerstag) Abends bei DOC-Films, einem Unikino mit richtigem Kinosaal (zwar mehr so altes Scala von den Sitzen und der Leinwand, aber besser als Audimax).  Für $5 gab’s da ein Doublefeature mit völlig zur Temperatur passenden Filmen:  Home Alone 1 & 2 (“Kevin Allein zu Haus” und “Kevin Allein in New York”), die ich aber beide noch nie auf englisch gesehen hatte und vor allem noch nie auf großer Leinwand.  Sehr schön war’s und die Filme altern fast nicht (auch wenn die Geschichte mit Handys wohl nicht funktionieren würde und auch die Sicherheitskontrollen am Flughafen würden solche Fehler heute nicht mehr machen).  Ein Raunen ging durch’s Publikum, als Kevin im zweiten Teil auf einem der beiden Twin Towers steht und die Kamera zurückfährt und beide zeigt.  Irritierend war nur, nach dem Film in ein immer noch verhältnismäßig warmes Chicago rauszugehen. Ich habe auf dem Nachhauseweg zwar meine Strümpfe vermisst, aber um 11pm darf man das auch. Hofentlich ist’s in Cape Cod ein wenig Meerbrisiger und nicht diese schwüle, drückende Hitze, die wir in der letzten Woche hier hatten (und während der ich im Anzugshemd in der einzigen unklimatisierten Halle der Uni 1h10 Brahmsrequiem im Stehen singen durfte, aber dazu späater mehr).

Mehr Kino gibt’s vielleicht nächste Woche — in die IMAX Vorstellung des Museums of Science and Industry hab’ ich’s nicht mehr geschafft und morgen geht’s erstmal nach Boston.  Artikel zu den Kunstmuseen, der echten Chicago Deep Dish Stuffed Pizza, zu einem Abend im Green Mill Jazz Club mit echt blindem Hammondorgelspieler und zu den Auftritten mit dem Unichor gibt’s dann wenn ich irgendwo in Providence, Plymouth, oder Provincetown WiFi habe, spätestens ab Sonntag, wenn ich bei Dave & Jim bin, wo ich gerade ein Zimmer ohne Hunde gebucht habe (wer zwei Huskys hält ist auch nett zu den Gästen :-) ).

Posted from Chicago, Illinois, United States.

Erstellt am Freitag 4. Juni 2010
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beSchriftungen

Nachdem mich viele Amerikaner die ich über Thomas und Kathi treffe oder mit denen ich beim Busfahren ins Gespräch komme fragen, was denn so mein erster Eindruck ist habe ich mir Gedanken gemacht, was die Hauptunterschiede sind, die ich nach einer guten Woche Chicago feststelle.  Ein großer Punkt ist auf jeden Fall die Gelassenheit (die wie man mir sagte in New York auch anders wäre aber hier auf jeden Fall vorherrscht). Im Supermarkt geht alles langsam.  Die Leute an der Kasse gehen seelenruhig erstmal rüber in die Gemüseabteilung weil die Kundin irgendwelche Säfte 2 für 1 haben will, wovon die Kassierin nix wusste.  Das wird dann in Ruhe mit dem Chef der Gemüseabteilung, dem Kunden der Nachbarschlange und eigentlich jedem der da rumsteht ausdiskutiert.  Die, die vor mir oder auch hinter mir in der Schlange stehen sind davon nicht im geringsten irritiert, da ja eh jeder noch ein Stück fahren oder länger gehen muss (so meine Theorie). Auch in den Bussen und Bahnen ist’s eher ein “kommt irgendwann” und echte Fahrpläne gibt’s nur in den Nachtstunden, ansonsten steht auf dem Fahrplan sowas wie “alle 8-10 Minuten tagsüber”.  Man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass das Mehr an Platz auch dazu führt, dass durch die größeren Wegezeiten mehr Toleranz bei Wartezeiten in Geschäften und bei anderen Dienstleistern da ist.

Eine andere Sache, die mir auffiel ist, dass die Amerikaner wirklich alles Beschriften, mit dem “Caution! Contents may be hot” auf den Kaffeebechern als prominentestem Beispiel.  Anders als ich dachte ist aber auch einfach vieles sehr sinnvoll beschriftet und Dinge, die in Deutschland beschriftet wären sind hier weggelassen.  Beispielsweise steht in jedem Bus (oder wird durchgesagt), wie der Bus heisst, in dem man sich befindet und auch das Prozedere der Kartenbeschaffung an den Automaten ist um ein vielfaches professioneller und benutzerfreundlicher gestaltet als der typisch deutsche Fahrscheinautomat.  Auf der anderen Seite habe ich noch an keinem einzigen Emergency Exit einen Warnhinweis gesehen, dass man das nur im Notfall benutzen soll — da trauen sie ihren Bürgern mehr zu als wir unseren.  Überhaupt die Benutzerfreundlichkeit von Automaten, Telefonmenüs (die ich dank AT&T PayAsYouGo-Phone ja zahlreich nutzen durfte) ist herausragend.  Auch Supermarkt und Restaurantkassen, die zu ganz grossen Teilen als Selbstbedienerterminals ausgelegt sind, um mit Credit/Debit/Sonstwas-Karte zu zahlen, selbst zu bestätigen/PIN einzugeben und auf dem Screen zu unterschreiben sind Dinge wo ich am Anfang gar nicht damit rechnete, das selbst machen zu dürfen und der irritiert schauenden Kassiererin meine Karte in die Hand drückte.

Das mit den Beschriftungen-nur-da-wo-man-sie-braucht geht soweit, dass als ein durchgehendes Designelement hier alle Türen auf der “Drücken”-Seite eine horizontale und auf der “Ziehen”-Seite eine vertikale Stange haben.  “Push” und “Pull”-Beschriftungen gibt’s nur in sehr touristischen Gebäuden; die ganze Uni und auch große Teile der Innenstadt sind nur durch die Richtung des Griffes logisch gekennzeichnet (siehe Bild aus dem Arts Institute of Chicago, dem ein eigene Beitrag gewidmet werden wird).

Eine Sache zum Thema Beschriftungen noch zum Schluß:  Es ist eine Wohltat, hier Schilder zu kucken.  Die ganze CTA (einer der beiden ÖPNV-Konzerne hier) verwendet Helvetica für die Stationen und auch an Geschäften und Schildern sieht man sehr viel Helvetica und Futura und erfreulich wenig Times und Arial.  Das stand erstaunlicherweise gar nicht im Reiseführer, auch wenn ich meine Gastgeber bei den ersten Touren durch die Innenstadt erfreut und laufend darauf hinwies :-) .

Posted from Chicago, Illinois, United States.

Erstellt am Samstag 29. Mai 2010
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iWear: “Noted”

Noted Today, iwear…

Heute trage ich “Noted”. Alle shirt.woot-Shirts, die ich habe gibt es Hier zu sehen, Bild anklicken für die Shirt-Beschreibung, die sich meistens lohnt (english)

Erstellt am Donnerstag 27. Mai 2010
Unter: iwear | Tags: , | 2 Kommentare »

Birthday and Brahms

Montag hatte Kathi Geburtstag.  Der begann mit einem kleinen Frühstück zu dem Thomas Blumen sowohl in echt als auch aus Fondant auf kleinen Cupcakes besorgt hatte. Für 12 hatten wir Lunchreservations im “Signature Room”, einem sehr coolen Restaurant im 95. Stock des Hancock Towers.  Die Bilder zeigen den Turm von unten, den Blick von oben und Kathi beim Einfangen desselben mit ihrer neuen Kamera (Nikon D5000).

Für$20 gab’s ein Lunchbuffet mit Schwein, Fisch, 2 Beilagen, Gemüse, Salaten, Suppen und Antipasti, davor Brot&Butter am Tisch, Wasser umsonst und überschaubaren Getränkepreisen.  Auch das à la carte, das man auf den Tellern der Nachbartische sah wirkte lecker und ausreichend.  Das Restaurant ist ein absoluter Tipp für Chicagogänger.  Es lohnt sich auch, beim Reservieren das Häkchen bei “Special Occasion” zu setzen, den nach dem Essen kam der Kellner und fragte nach, um welche solche Occassion es sich denn handeln würde um kurz darauf Kathi einen Sorbetbecher mit Früchten zu bringen an dessen Fuss mit Schokolade “Happy Birthday” stand. Ausserdem hatten wir mit einem Ecktisch in der Südwestecke des Restaurants Fenster bis zum Boden die auf den See und den Loop schauten und alleine dafür hätte man schon das Geld bezahlen können (was man auch kann — für $18 ohne Essen und Getränke gibt’s 2 Stockwerke höher die Observation Lounge).

Abends dann meine erste englische Chorprobe — ein Schnelldurchlauf Brahms Requiem um alle kritischen Teile kurz angespielt zu haben. Die Vokale singen die Amis halt oft falsch, wie sie “trösten” aussprechen will man echt nicht wissen und die “Früscht” die statt der “Frucht” rauskommt sollte wohl besser angesprochen werden.  Bis auf die Aussprache aber war es eine ganz normale Chorprobe — die Hälfte kuckt nicht auf den Chorleiter und macht ihren Takt selbst, die Fugeneinsätze tröpfeln eher dahin aber am Ende kommen wir alle relativ gleichzeitig am Schluss an. Mal gespannt, wie die zweite Probe und die beiden Konzerte werden und ob ich davon irgendwie eine Aufnahme bekommen werde.

Posted from Chicago, Illinois, United States.

Erstellt am Mittwoch 26. Mai 2010
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